Weggesperrt bis zum Tod!

In wessen Taschen fließt das Geld??? Ein Besuch im Profit – Bunker der Pflege…

Heute besuchten wir, eine Mitarbeiterin und ich, ein Pflegeheim in Leipzig. Der Auftrag war, durch einen Betreuer, für eine alte Dame, die kürzlich dort einzog, Sachen und Drogerieartikel einzukaufen. Da wir die Dame nicht persönlich kannten, fuhren wir direkt in das Pflegeheim, um sie kennenzulernen.

Der Eingang war hübsch dekoriert, freundlich und hell. Der angrenzende Speisesaal erinnerte mich an ein FDGB – Heim aus tiefsten DDR-Zeiten, vielleicht sollte das so sein.
In einem breiten Durchgang waren Tische mit großen Mensch – Ärger -Dich – Nicht – Spielen, an einem andren Tisch schälten alte Damen Gurken fürs Abendessen. So weit, so gut, ich hatte einen guten Eindruck, noch.

Die Dame, die wir besuchten, wohnte in einem anderen Bereich, ab in den Fahrstuhl und zack, in einer anderen Welt. Ein beißender Uringeruch kam uns entgegen, ich musste die Luft anhalten. In einem kleinen Zimmer saßen teilnahmlos, wahrscheinlich sedierte, alte Menschen, allein, um einen Tisch, auf dem nichts stand, nicht mal Getränke.

Das Zimmer der Dame war ein sehr kleiner Raum mit 2 Pflegebetten, 2 Nachttische, einem Tisch mit völlig eingestaubten Fernseher und einem großen Kleiderschrank, nicht mehr und nicht weniger. Es stank übel nach Fäkalien und war sehr unsauber, vom beengten Bad ganz zu schweigen. Es war so widerlich, dass ich fast Brechreiz bekam.

Die alte Dame lag teilnahmlos in ihrem Bett, mit dem Gesicht zur Wand, verkrümmt und zitternd. Da ein Rollstuhl an ihrem Bett stand, setze ich sie auf, zog sie an, hob sie in den Rollstuhl und kämmte ihr das Haar. Sie lächelte dankbar und fing leise an zu reden, wir sollten doch bitte regelmäßig kommen, sie wäre ganz allein. Meine Mitarbeiterin kümmerte sich rührend um sie und erklärte ihr, dass wir für sie einkaufen wollten. Die alte Dame war dankbar.

Ich schlich derweil über den Flur, da ich Fragen hatte und bis jetzt keine Pflegekraft in Sicht war. Dann traf ich auf einen „Pfleger, der wohl von sehr weit her kam und mich nicht verstand. Er sagte “ Ich Notfall“ , ich antwortete „das sehe ich“. Eine weitere Kommunikation war nicht möglich, er rannte weg. Ich schaute wohl zu streng. Endlich das Dienstzimmer gefunden, in dem eine sehr adipöse Dame saß, die wohl immer dort sitzt und auch nicht gerade freundlich war. Ich war bedient, aber richtig. Die Dame im Rollstuhl sollten wir in den Raum der Teilnahmlosen fahren, es gäbe ja gleich Vesper. Ich hatte das Gefühl, dass man froh war, dass ich die Arbeit der Pflegekräfte übernommen hatte.

Wir fuhren einkaufen, fuhren zurück in das Pflegeheim und es wurde schlimmer. Im Durchgang saßen nun alte Menschen mit traurigen Gesichtern, nebeneinander, wie die Vögel auf der Stange und sie warten, auf was auch immer. An den Spieltischen saß niemand, es war totenstill, keine Musik, kein Wort, nichts. Ein Ort des Schweigens.

Unsere alte Dame saß immer noch am Tisch der Teilnahmlosen und das Vesper war wohl ausgefallen, zwei Plastikbecher standen da, das war alles. Der beißende Geruch von Urin war immer noch überaus wahrnehmbar. Auch hier traurige Gesichter, die völlig leer waren. Ein weiter „Pfleger“ von weit her, stand rum, war mit den Pflegebedürftigen völlig überfordert und wandte sich von ihnen ab. Integration gelungen! Bravo, so geht Pflege im besten Deutschland aller Zeiten.

Völlig resigniert verließen wir das Pflegeheim, mit vielen Fragen im Kopf. Das soll das Ende des Lebens sein? Ist das noch Menschenwürde? Gestank und Einsamkeit für soviel Geld? Abgezockt und totgepflegt? Warten auf den Tod im Sterbebunker? Doch lieber eine Pille im Alter, um das nicht zu erleben? Suizid als letze Lösung?

NEIN, das ist kein Leben, das ist keine Würde, das ist Entwürdigung. Eine Schande, was den Alten angetan wird. Da nützt auch ein schön geschmückter Eingang nichts, wenn das Grauen hinterm Vorhang wartet. Doch, in welche Taschen fließt das Geld für solch eine menschenunwürdige Pflege ???

Sicher gibt es auch gute Pflegeheime, doch das, was wir heute sahen, erlebten wir nicht zum ersten Mal. Profit auf Kosten der alten Menschen, die doch Fürsorge und liebevolle Pflege mehr als verdient haben, das geht beim besten Willen nicht.

Wir werden weiterhin alles dafür tun, dass alte Menschen in ihren eigenen Zuhause liebevoll, mit viel Herz und Verstand, gepflegt, betreut und versorgt werden.
Wir können den Tag nicht verlängern, aber wir können ihn verschönern.

Team Schwester Anja

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