Ein Nachruf auf Bonnie Tyler

Es ist selten, dass wir hier über Künstler, Schauspieler oder Sänger berichten. Bisher schrieben wir Artikel über Brigitte Bardot, Dean Reed, Michael Wendler oder Uwe Steimle. Alle Genannten waren oder sind neben ihrem künstlerischen Wirken auch politisch engagiert beziehungsweise vertraten mit offenem Visier Meinungen und Ansichten, die auch Widerspruch erzeugten. Bei Reed war es sein Bekenntnis zum Sozialismus, für den er sein Heimatland, die USA, verließ. Bardot war leidenschaftliche Tierschützerin und erhob ihre Stimme gegen politische Fehlentwicklungen in Frankreich. Diese Positionierungen brachten sie sogar vor Gericht. Michael Wendler erhob seine Stimme gegen die Corona-Entrechtungspolitik. Da er sagte, was nicht gesagt werden durfte, wurde er von den Bühnen und aus dem TV verbannt. Dem beliebten Kabarettisten Uwe Steimle erging es im mit Zwangsgebühren finanzierten Staatsfunk ähnlich.
Aber nun zurück zu Bonnie Tyler. Bonnie Tyler war nichts von alledem, sie war Musikerin mit Leib und Seele. Zu politischen Dingen äußerte sie sich nicht. Sie macht das äußerst ungern, sagte sie mal in einem Interview, ich konzentriere mich lieber auf Musik. Eine Entscheidung, mit der man als Fan, als Anhänger ihrer Musik, sehr gut leben kann. Denn eines haben wir in der heutigen Zeit mehr als genug: Künstler, die als Schranzen der Politiker agieren. Gerade Deutschland oder, besser gesagt, die BRD hat reichlich von diesen Künstlern. Künstler, die „unsere Demokratie“ für den bunten und gendergerechten Himmel auf Erden halten.
Bonnie Tyler, geboren als Gaynor Hopkins am 8. Juni 1951 im walisischen Skewen, gehörte sicherlich zu den markantesten weiblichen Stimmen der Rock- und Popmusik. Ihren internationalen Durchbruch feierte sie bereits 1977 mit „It’s a Heartache“. Erst zwei Jahre später erblickte ich das Licht der Welt. Auch dies ist ein Umstand, der sie auszeichnete: Sie begeisterte Generationen. Viele ihrer Fans hätten ihre Enkel sein können, während andere mit ihrer Musik groß und alt geworden sind.
Bevor Bonnie Tyler als Solo-Künstlerin aktiv war, tourte sie viele Jahre mit einer eigenen Band durch Pubs, Kneipen und kleine Festivals. Sie sang auch viel bei Arbeitervereinen, vor Bergarbeitern. Da sie selbst aus einer Bergarbeiterfamilie stammte und ihr Vater viele Jahre unter Tage malochte, um die Familie zu ernähren, kam sie dort mit ihren ehrlichen Texten besonders gut an. Da sie in ihrer Karriere alles erkämpfen musste, galt sie auch als Sängerin mit dem Herz eines Bergarbeiters. Ihr erster Song als Solokünstlerin schaffte es nicht in die Charts, mit dem zweiten Werk „Lost in France“ feierte Bonnie Tyler erste Charterfolge. Das daraufhin folgende erste Album feierte hingegen nur in skandinavischen Ländern Erfolge. Auch daran sieht man, dass Bonnie Tyler immer für ihren Erfolg kämpfen musste. Ein einschneidender Moment ihrer damals noch jungen Karriere war eine Operation an den Stimmbändern im Jahr 1977. Weil sie ihre Stimme während der Heilungsphase zu früh wieder belastete, entwickelte sich ihre unverwechselbare raue Reibeisenstimme. Zunächst ein Rückschlag, da sogar ein Karriereende im Raum stand, später ihr größtes Markenzeichen.
Weltweiten Kultstatus erreichte sie 1983 mit „Total Eclipse of the Heart“ und später mit „Holding Out for a Hero“. Lieder, die wir noch als Schallplatte zu Hause hatten. Nach den enormen Erfolgen der 1980er-Jahre verlief ihre Karriere zeitweise ruhiger. Dennoch blieb sie vor allem in Europa ein gefeierter Live-Star, auch wenn die Bühnen teilweise etwas kleiner waren.
Sie veröffentlichte weitere Alben, unter anderem in Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen, mit wechselndem Erfolg. Zeitweise erfolgte auch ein Rückzug aus dem Musikgeschäft. Hier könnte man noch deutlich mehr schreiben, das würde aber die Länge des Artikels sprengen. Erwähnenswert ist vielleicht auch noch ihr Auftritt beim Eurovision Song Contest in Schweden. Mit dem Song „Believe in Me“ erreichte sie lediglich den 19. Platz.
Trotzdem begeisterte sie ihr Publikum bis ins hohe Alter mit einer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz. Für die kommenden Monate waren weitere Auftritte und Konzerte geplant, zu denen es aber leider nicht mehr kommen wird. Auch ich hatte noch vor eines ihrer Konzerte zu besuchen.
Im Frühjahr 2026 musste sich Bonnie Tyler in Portugal einer Notoperation am Darm unterziehen. Nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt, künstlichem Koma und zwischenzeitlicher Hoffnung auf Besserung verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand erneut. Am 9. Juli 2026 starb sie im Alter von 75 Jahren. Mit ihr verliert die Musikwelt eine unverwechselbare Sängerin, deren Stimme Generationen von Musikliebhabern geprägt hat. Wir verlieren eine Künstlerin, die über 100 Millionen Tonträger verkaufte, in einer Zeit, bevor Streamingdienste den Musikalltag bestimmten. Bonnie, grüße bitte Künstler wie Ozzy Osbourne, Lemmy Kilmister, Dean Reed und David Bowie. Good Bye, Reibeisenstimme.
Alexander Kurth







