
Nach knapp zwei Wochen Krieg am Persischen Golf zeichnet sich ein Punktsieg des Iran ab. Er könnte das internationale Gefüge nachhaltiger verändern als die Corona-Zäsur und vier Jahre Ukrainekrieg.
Man kann es nur als Sensation bezeichnen, militärisch wie politisch: so krachend ist noch selten ein Kriegsplan gescheitert wie der Versuch der US-israelischen Allianz, Iran rasch in die Knie zu zwingen. Im Gegenteil ist die Islamische Republik – obwohl sie schwersten Terrorangriffen ausgesetzt ist – nicht nur nicht zusammengebrochen, sondern hat sich die Fähigkeit erhalten, empfindliche Vergeltungsschläge zu führen, die zu steigenden und in keiner Weise einkalkulierten Verlusten für die Angreifer führen. Sie sind mit Sicherheit weit höher als die offiziellen Zahlen. Die US-Militärstruktur in der Region – Radarstationen, Basen – ist schwer getroffen.
Ein Puzzleteil liefert das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl. Die Einrichtung, die normalerweise auch für die Versorgung der rund 40.000 amerikanischen Militärangehörigen und ihrer Familien in der Region Kaiserslautern zuständig ist, hat dieser Tage ihre Geburtshilfeabteilung geschlossen. Schwangere sollen in umliegende Kliniken ausweichen. Die Dringlichkeit war so groß, daß selbst geplante Kaiserschnitte verlegt wurden. Ein Memo der Klinikleitung, zitiert von der Militärzeitschrift „Stars and Stripes“, begründete den Schritt mit dem „Hauptzweck der Klinik“: Landstuhl diene als „wichtige Nabe und Evakuierungsziel für US-Armeeangehörige, die beim Training oder in Kampfeinsätzen in Europa, dem Nahen Osten und in Afrika verwundet werden“. Und davon gibt es offenbar viele. Die offiziellen Zahlen sind ersichtlich geschönt. Auch eine geplante Blutspende-Kampagne in der Militärgemeinde Kaiserslautern wurde vorgezogen – ein weiteres Indiz.
Was Israel angeht, ist die Lage womöglich noch schlimmer. Der russische Geheimdienst hat eine Schadensbilanz angefertigt, wonach Israel in den ersten 72 Stunden des Krieges katastrophale, irreversible Verluste durch iranische Vergeltungsangriffe erlitten hat. Laut der durchgesickerten russischen Bewertung hat Israel infolge der Angriffe seinen „operativen Zugang“ zum Atomreaktor in Dimona, dem Kernstück des israelischen Atomprogramms, verloren. 11 Top-Nuklearwissenschaftler sollen ums Leben gekommen sein; außerdem bei Angriffen auf weitere Ziele sechs hochrangige IDF-Generäle, 198 Offiziere der Luftwaffe, darunter hochrangige Piloten und ein kompletter Kommandostab. Darüber hinaus sollen 462 Soldaten am Boden und in verschiedenen Militärstützpunkten getötet worden sein. Natürlich sind diese Angaben nicht unabhängig überprüfbar.
Unbestritten ist aber: vergleichbare Verluste hat die als unbesiegbar geltende Atom- und Militärmacht Israel in den letzten Jahrzehnten bei keiner anderen Militäraktion erlitten. Diese Wendung der Ereignisse ist ein beispielloses Menetekel.
Und politisch ein Fanal. Weil der Iran dank seiner erfolgreichen Gegenwehr nicht nur militärisch, sondern auch politisch unversehens an Statur gewinnt und zum souveränen Akteur aufwächst. Anders als die US-Administration, die bislang nicht in der Lage war, auch nur ein einziges rationales Ziel ihres Terrorkrieges zu formulieren, sorgt die iranische Führung nach knapp zwei Wochen Krieg mit zwei brisanten Kriegszielen für Aufsehen, die weit über den aktuellen Schlagabtausch hinausweisen. In einem Interview der Nachrichtenagentur Fars erklärte der Stellvertretende Kommandeur der Marine der Islamischen Revolutionsgarde, Brigadegeneral Mohammad Akbarzadeh: „Die Bildung eines unabhängigen palästinensischen Staates und die dauerhafte Schließung der amerikanischen Stützpunkte [in der Region] werden zu den wichtigsten regionalen Zielen des Iran gehören.“
Teheran erklärt sich damit inmitten des Krieges zur Schutzmacht der Palästinenser, was dem Land über die ohnehin gestiegene Solidarität vonseiten vieler Muslime hinaus weiteren Zuspruch in der arabischen Welt bescheren wird. Gleichzeitig wird durch die Sperrung der lebenswichtigen Straße von Hormuz die Weltwirtschaft, vor allem aber Trumps Herrschaft erheblich unter Druck gesetzt. Schon drohen die arabischen Verbündeten, die von Uncle Sam nicht wirksam geschützt werden können, Milliardeninvestitionen aus den USA abzuziehen, was in Trumps kapitalkräftigen Unterstützerkreisen nicht gut ankommen wird. Die Midterm-Wahlen im November drohen ihm um die Ohren zu fliegen. Und mit jedem Liter Öl, der nicht mehr in Dollar bezahlt wird, gerät die US-Welthegemonie weiter in Bedrängnis. Die Versenkung eines Flugzeugträgers wäre das Sahnehäubchen und die ultimative Demütigung.
Das alles ist eine echte Wende und könnte schon in nächster Zukunft zu dramatischen Veränderungen auf der internationalen Bühne führen. Ausgerechnet der Iran, jahrzehntelang der Paria der westlichen Weltordnung, könnte zu ihrem Katalysator werden. Karma is a bitch.
„Es ist der Iran, der über das Schicksal des zionistischen Marionettenregimes und der Vereinigten Staaten entscheiden wird“, erklärte Marine-Vizekommandeur Akbarzadeh im Fars-Interview. Auch westliche Beobachter können das nicht mehr rundweg als Prahlerei abtun. Kein geringerer als der ehemalige US-Geheimdienstoffizier und UN-Waffeninspekteur Scott Ritter prophezeite kürzlich in einem Gespräch mit dem unabhängigen Portal „India & Global Left“ eine strategische Niederlage der USA und Israels: Iran sei auf dem besten Weg, den Krieg zu gewinnen.
Die Dinge sind an einem Kulminationspunkt. Mit einem Mal, erstmals seit 1945, sieht sich die vom Westen aufgerichtete Weltordnung, die Epstein-Ordnung der Mörder, Perversen und Satanisten, in die Schranken gefordert. Der Iran kämpft in diesen Tagen stellvertretend den Kampf aller, die sich von ihr befreien wollen – stellvertretend auch für Rußland, China und alle anderen, die in Freiheit und Würde leben wollen. So wenig es manchen gefallen mag: der Iran ist die Speerspitze im Kampf gegen den Antichristen.
Nach Lage der Dinge kann die Antwort des Großen Satans nur die Atombombe sein. Es geht um seine globale Herrschaft, die fast vollendet ist. In Washington und Tel Aviv haben Irre wie Hegseth das Sagen, die den Weltkrieg brauchen und als Gottes Werk herbeisehnen. Sie opfern auch ganze Völker auf ihrem Brandaltar. Wir werden sehen, was kommt.
Karl Richter








