
Filmkritik: Citizen Vigilante
Ich schreibe zwar schon seit bestimmt 20 Jahren Artikel und Berichte, führe Interviews und stelle Presseanfragen. Eine Filmkritik war allerdings bisher noch nicht dabei. Wie nicht anders zu erwarten, beschäftigt sich diese Kritik mit dem neuesten Werk von Uwe Boll. Boll, der bei seinen Fans Kultstatus besitzt und von anderen wiederum als schlechtester Regisseur aller Zeiten bezeichnet wird, ist mir persönlich schon länger bekannt. Da ich ein großer Horrorfan bin, kommt man an Boll kaum vorbei. Ob BloodRayne, Alone in the Dark oder Seed, um nur drei Beispiele zu nennen – definitiv keine hohe Filmkunst, teilweise sogar richtiger Trash, aber eben für viele Kult.
Wer allerdings denkt, Uwe Boll bekomme nur Schauspieler vor die Kamera, die ausschließlich in B- oder C-Produktionen mitspielen, der irrt sich gewaltig. Echte Hollywoodgrößen wie Ben Kingsley, Ray Liotta oder Jürgen Prochnow standen bereits vor seiner Kamera – ebenfalls nur eine kleine Auswahl.
Wofür Uwe Boll ebenfalls bekannt ist, sind Provokationen, und das hat er in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt. Wer sich mit seinen Werken beschäftigt, erkennt schnell, dass jegliche Rassismusvorwürfe an den Haaren herbeigezogen sind. Hier möchte ich seine umstrittenen Filme Auschwitz und Hanau erwähnen. Gerade Hanau schlägt in eine gänzlich andere Kerbe als sein aktuelles Werk. Doch selbst damit schaffte er es zu polarisieren und zu provozieren, was mit Horrorfilmen natürlich nicht in derselben Form gelingt. Vielen dürfte zudem nicht bekannt sein, dass Uwe Boll ein politisch denkender Mensch ist. Er war Bundessprecher der Kleinstpartei Das Haus Deutschland (DHD), bis er diese im Streit verließ. Zudem schreibt er seit einigen Monaten für das Magazin Tichys Einblick. Ich muss allerdings zugeben, dass ich seine Artikel bisher noch nicht gelesen habe.
Nun aber zurück zu Citizen Vigilante. Im aktuellen Werk stand natürlich nicht die erste Garde Hollywoods vor der Kamera, was im woken Hollywood kaum verwunderlich ist.
Der Hauptdarsteller Armie Hammer (Sanders) spielte zwar in oscarprämierten Filmen wie Call Me by Your Name mit, war jedoch seit einigen Jahren in Hollywood in Ungnade gefallen. Grund hierfür sind schwere Missbrauchsvorwürfe. Inwieweit diese zutreffen oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Vermutlich hat der Umstand, aktuell kaum Rollen zu bekommen, dazu beigetragen, dass Boll ihn als Hauptdarsteller gewinnen konnte. Der zweite halbwegs bekannte Schauspieler ist Costas Mandylor. Er spielte in mehreren Teilen der Horrorfilmreihe Saw einen Ermittler und war mir daher bereits bekannt. Der restliche Cast sagte mir hingegen nichts, was allerdings nichts bedeuten muss, da ich selten etwas schaue, was das Propagandaquadrat in die Wohnzimmer ausstrahlt.
Der Film bietet von seiner Handlung her eigentlich nichts, was nicht schon zigfach verfilmt wurde. Ein einsamer Rächer nimmt das Recht in die eigene Hand, weil Polizei und Justiz versagen. Ich erinnere mich dabei zum Beispiel an die Death Wish-Reihe mit dem unvergessenen Charles Bronson. Dort wird die eigene Familie Opfer massiver Gewalt. Der Hauptakteur des Films, Paul Kersey, der eigentlich liberale Ansichten vertritt, startet daraufhin einen gnadenlosen Rachefeldzug. Auch dort geht es um Vergewaltigung, Gewalt und um Stadtteile, in denen kriminelle Banden ihr Unwesen treiben, während die Staatsmacht längst kapituliert hat. Im Übrigen waren diese Filme in der Bundesrepublik Deutschland lange indiziert – zumindest in der ungekürzten Fassung.
Im Werk von Boll erleben wir einen Hauptdarsteller mit Ecken und Kanten, bei dem gar nicht erst versucht wird, ihn als grundsympathischen Charakter darzustellen. Er ist schwerreich, geht ins Bordell und möchte Mieter – er besitzt im Film mehrere Immobilien –, die mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, notfalls auch mit nicht ganz legalen Mitteln vor die Tür setzen. Cineastisch ist der Film drittklassig, aber alles andere wäre bei Uwe Boll auch eine Überraschung gewesen. Dasselbe gilt für die schauspielerischen Leistungen. Die Kills sind natürlich hart und es fließt viel Blut, allerdings nichts, was nicht an anderer Stelle bereits hundertfach gezeigt wurde.
Für mich am härtesten an diesem Film war die Vergewaltigungsszene, die in kurzen Ausschnitten gezeigt wird. Hart deshalb, weil es zu solchen Schreckenstaten mittlerweile täglich in Europa kommt. Wer jetzt wieder von rechter oder populistischer Hetze fabuliert, verweigert die Realität. Allein im Jahr 2024 kam es zu 788 Gruppenvergewaltigungen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen. Über 50 Prozent der Täter sind nicht deutscher Herkunft; sogenannte Passdeutsche sind hierbei noch nicht einmal mit eingerechnet. Keine Hetze, keine Panikmache, sondern Realität. Wer genau diese Realitäten verweigert und ignoriert, sorgt für weitere Straftaten, für eine weitere Spaltung der Gesellschaft und für Unruhen, wie wir sie aktuell in einigen europäischen Ländern erleben.
In Ländern wie Frankreich oder Großbritannien sieht es teilweise noch deutlich schlimmer aus. Genau bei diesem Punkt hat Uwe Boll einen Nerv getroffen – und das meiner Meinung nach aus vollem Kalkül heraus. Aus seiner Sicht ist das vollkommen verständlich. Schließlich lebt ein Filmemacher davon, dass über seine Werke gesprochen wird und man sie vor allem anschaut. Und genau das ist ihm trotz der Zensur gelungen. Allein auf dem Kurznachrichtendienst X erreichte der Film bisher mehrere Millionen Aufrufe. Elon Musk hat ihn dort nach Rücksprache mit Boll veröffentlicht. Citizen Vigilante gehört somit wohl schon jetzt zu den Boll-Filmen mit den meisten Zuschauern. Der Regisseur selbst sieht es im aktuellen Fall nicht einmal kritisch, wenn das Werk illegal gestreamt wird. Er bittet die Zuschauer lediglich darum, ihm per PayPal eine freiwillige Spende zukommen zu lassen. Auf diese Weise wird er weitere Millionen Zuschauer erreichen.
Mit einer Falschmeldung möchte ich in dieser kurzen Filmkritik allerdings noch aufräumen: Der Film ist nicht verboten. Er erhielt in Deutschland kein FSK-Siegel und darf deshalb weder im Kino noch bei Streamingdiensten gezeigt werden. Wie in vielen anderen Bereichen agiert die Bundesrepublik Deutschland hier als Geisterfahrer. In anderen Ländern Europas läuft der Film hingegen ohne Probleme. In unserem Nachbarland Österreich soll demnächst eine DVD mit deutscher Synchronisation erscheinen. Die Entscheidung der FSK ist durchaus kritisch zu hinterfragen. Eine sogenannte Expertenkommission, bestehend aus wenigen Personen, bestimmt darüber, was Millionen Menschen sehen dürfen? Das fragwürdige Agieren sogenannter Expertenkommissionen, die über das Schicksal von Millionen Menschen entscheiden, kennen wir bereits aus anderen Bereichen. Dafür müssen wir gar nicht so viele Jahre zurückschauen.
Die FSK kritisiert die explizite Gewaltdarstellung, eine angebliche Verherrlichung von Selbstjustiz sowie den Umstand, dass der Film dazu beitragen könnte, Gewalt gegen Migranten zu schüren. Ich habe mich im Übrigen im Vorfeld dieser Filmkritik mit einigen Migranten unterhalten, darunter auch Muslime, die diese Befürchtung in keiner Weise teilen. Diese Menschen, die teilweise schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben, schütteln selbst den Kopf darüber, wie devot und unterwürfig der Deutsche alles erträgt. Für Uwe Boll ist die FSK-Entscheidung natürlich die beste Werbung, die er bekommen konnte. Ohne diese Form der Zensur hätte der Film nicht annähernd die aktuelle Aufmerksamkeit erhalten. Aus Marketingsicht ist das ein absoluter Volltreffer, auf den Boll – wie bereits erwähnt – nach meiner Einschätzung auch abzielte.
Muss man den Film gesehen haben? Nein, natürlich nicht. Er führt uns jedoch einen Umstand deutlich vor Augen – und vielleicht auch Menschen, die bisher in einer Traumblase lebten –, dass es im „freisten Deutschland aller Zeiten“ durchaus Zensur gibt. Wir haben sehr wohl Zensur, und zwar eine, die immer übergriffiger agiert, indem sie mündigen Bürgern vorschreiben möchte, was sie zu sehen, zu lesen oder zu denken haben. Mittlerweile betrifft diese Entwicklung nahezu alle gesellschaftlichen Schichten. Und genau darin liegt, so paradox es klingen mag, sogar etwas Positives, weil sie den Aufwachprozess beschleunigt.
Wovon ich allerdings weit entfernt bin, ist, Boll als neue Ikone der Meinungsfreiheit oder als Kämpfer gegen Fehlentwicklungen in der Politik zu sehen. Vielleicht könnte schon sein nächstes provokantes Werk bei den aktuellen Befürwortern von Citizen Vigilante auf wenig Gegenliebe stoßen. Und selbst wenn das der Fall sein sollte, sollten am Ende die Zuschauer entscheiden, ob sie einschalten oder ausschalten.
Alexander Kurth







