Interview mit dem Leverkusener Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker Markus Beisicht

Frage: Herr Markus Beisicht, am Wochenende veranstalten Sie in Köln einen Autokorso. Thema ist Frieden mit Russland. Haben wir mittlerweile nicht auch andere Konfliktherde in der Welt?
Beisicht: Natürlich. Und genau das ist der Punkt: Man darf sich nicht nur auf einen Konflikt konzentrieren und den Rest ausblenden. Ich möchte hier ganz klar den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran erwähnen. Aber auch den Genozid im Nahen Osten. Der Krieg gegen den Iran ist ein brandgefährlicher Konflikt mit enormem Eskalationspotenzial. Wenn sich das weiter zuspitzt, reden wir nicht mehr über regionale Auseinandersetzungen, sondern über eine globale Bedrohung. Und selbstverständlich werden wir uns auch gegen diesen Krieg positionieren.
Frage: Sie kritisieren mit sehr offenen Worten die Politik der USA, auch unter Donald Trump. In den eigenen Reihen bringt Ihnen das viel Kritik ein. Was sagen Sie dazu?
Beisicht: Mit der Kritik kann ich sehr gut leben. Die gab es schon früher, zum Beispiel bei meinem Engagement gegen die Corona-Fehlpolitik. Da wurde mir auch vorgeworfen, ich würde verantwortungslos handeln. Aber ich bleibe dabei: Unrecht muss klar benannt werden, egal wie unbequem das ist. Und zum Thema Trump, er da weiter, wo seine Vorgänger aufgehört haben. Die Außenpolitik der USA hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder Konflikte und Kriege mit Millionen Toten angeheizt oder direkt ausgelöst. Das ist kein Ausrutscher, das ist die geopolitische Linie der US-Außenpolitik. Wer das nicht klar anspricht, macht sich aus meiner Sicht mitschuldig am Wegschauen.
Frage: Sie sind politisch in NRW aktiv. Dort begrüßen auch einige Funktionäre der AfD das Vorgehen der USA gegen den Iran, auch Waffenlieferungen an die Ukraine werden befürwortet. Wie bewerten Sie das?
Beisicht: Ganz ehrlich: Solche politischen Geisterfahrer sind für mich genauso unwählbar wie die Altparteien. Auch die blinde NATO-Hörigkeit ist aus meiner Sicht völlig irrational. Man muss sich doch nur die letzten Jahrzehnte anschauen. Die NATO war nie ein Friedensbündnis. Was mich besonders stört, ist diese extreme Kurzsichtigkeit: Durch diese Kriegspolitik entstehen Fluchtbewegungen und die landen am Ende in Europa und in Deutschland. Man beklagt dann die Folgen, unterstützt aber gleichzeitig die Ursachen, anstatt diese zu bekämpfen. Wer wirklich Fluchtursachen bekämpfen will, muss sich konsequent gegen Kriege und Waffenlieferungen stellen. Alles andere ist widersprüchlich und nicht glaubwürdig.
Frage: Warum ist das Thema Frieden Ihrer Meinung nach so wenig präsent? Auch bei den letzten Landtagswahlen spielte es kaum eine Rolle.
Beisicht: Das ist etwas, das ich persönlich überhaupt nicht verstehe. Bei einer echten Eskalation wäre jeder betroffen, ohne Ausnahme. Trotzdem werden oft Nebenthemen in den Vordergrund gestellt, während die wirklich existenziellen Fragen verdrängt werden. Dabei spüren die Menschen die Folgen doch längst im Alltag: steigende Energiepreise, höhere Lebenshaltungskosten, wirtschaftlicher Druck. Erst durch die unsinnige Sanktionspolitik gegen Russland, die uns massiv geschadet hat, und jetzt durch die Entwicklungen rund um den Iran. Ich wünsche mir deshalb endlich wieder eine breite, ehrliche Friedensbewegung, die diesen Namen auch verdient und sich nicht von politischen Lagern spalten lässt.
Frage: Was sind konkret Ihre Forderungen?
Beisicht: Meine Forderungen sind: Schluss mit Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, insbesondere in die Ukraine. Stattdessen braucht es diplomatische Lösungen und ernsthafte Verhandlungen. Beendigung der Sanktionen gegen Russland, die vor allem unserer eigenen Bevölkerung schaden. Ein Austritt aus der NATO, um wieder eine eigenständige und friedensorientierte Außenpolitik betreiben zu können. „Ami go home“ – also die Schließung der militärischen Kommandozentralen und Stützpunkte der USA auf deutschem Boden. Hier könnte man sich durchaus ein Beispiel an Ländern wie Spanien nehmen, die in den letzten Wochen klare Grenzen gesetzt haben. Echter Einsatz für Frieden im Nahen Osten, statt immer neuer Eskalation.
Es muss darum gehen, dass Deutschland wieder eine Politik macht, die den Interessen der eigenen Bevölkerung dient und das heißt vor allem: Frieden sichern statt Konflikte anheizen.
Anmerkung: Der Autokorso findet am Sonnabend den 28.03.2026 in Köln statt. Veranstaltungsbeginn ist 12:00 Uhr an der Deutzer Werft in Köln.














