Die bekannten Friedensaktivisten Elena Kolbasnikova und Max Schlund, die Deutschland im vergangenen Jahr aufgrund zunehmender politischer Repressionen verlassen mussten, haben am gestrigen Tag in Kaliningrad ein neues Büro eröffnet. Es soll als Anlaufstelle für die deutsch-russische Verständigung, zivilgesellschaftlichen Austausch und praktische Unterstützung für Menschen dienen, die eine Zukunft in der Russischen Föderation aufbauen möchten.
Das neu eröffnete Büro soll Raum für Begegnungen bieten – sowohl für Deutsche, die in Russland leben oder auswandern wollen, als auch für russische Bürger, die sich für die politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland interessieren. Der Fokus liegt auf Frieden, gegenseitigem Verständnis und dem Austausch jenseits staatlicher Spannungen.
Die Eröffnungsfeier fand laut Kolbasnikova in einer „warmen, freundlichen und sehr offenen Umgebung“ statt. Aufgrund noch fehlender technischer Infrastruktur konnte das Team nicht wie geplant live mit Unterstützern in Deutschland sprechen. „Aber wir werden es sicherlich nachholen“, heißt es aus dem Kreis der Aktivisten.
Elena Kolbasnikova hatte in Deutschland immer wieder Friedensdemonstrationen organisiert – darunter auch Aktionen vor der US-Airbase Ramstein, mit mehreren tausend Teilnehmern. Ihr Engagement brachte ihr nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch berufliche und juristische Konsequenzen ein: Sie verlor ihren Arbeitsplatz und stand mehrfach vor Gericht. Für sie und Max Schlund wurde die politische Lage schließlich so belastend, dass sie Deutschland nach 15 Jahren verließen. Mittlerweile besteht für das Ehepaar ein Einreiseverbot für die EU.
Mit dem neuen Büro in Kaliningrad wollen beide ein Zeichen setzen: für Verständigung statt Feindbilder, für Dialog statt Eskalation und für eine Zukunft, in der Bürger beider Länder miteinander sprechen, statt übereinander.
Sascha Steinbrecher


