
In der deutschen Politik und Gesellschaft gibt es eine eigenartige, fast chronische Neigung, die man als „deutsche Krankheit“ bezeichnen könnte: die anhaltende Suche und das warten auf einen Erlöser von außen. Statt selbst aktiv zu werden und Veränderungen herbeizuführen, hoffen viele auf Hilfe aus dem Ausland oder sogar auf mythische Figuren, die alles richten sollen.
Wer schon länger im politischen Widerstand tätig ist, ich für meinen Teil bin es seit 1996, erlebt diese Marotte immer wieder, in verschiedenen Ausprägungen.
Es ist eine Form der Passivität, die nicht nur immer wieder enttäuscht, sondern auch schadet, dem Einzelnen und der gesamten Widerstands-Bewegung.
Diese Tendenz ist keineswegs neu. Schon in früheren Zeiten gab es geistig Entrückte, die auf Hilfe durch die Besatzungsmächte hofften. Sie bildeten Fantasieregierungen oder sogenannte Exilregierungen und schmückten sich mit Titeln und Ministerposten. Es wurden sogar Fantasieausweise verkauft. Teilweise gab sogar gleichzeitig mehrere solcher Ansammlungen von Personen, die normalerweise in die Psychiatrie gehörten, oft waren es dubiose Kleinkriminelle, die mit dem Verkauf von Fantasieausweisen Geld verdienten.
Trotzdem dachten sie, ihre Kaspertruppen wären von ausländischen Regierungen anerkannt. Da das Internet damals nur eine Randerscheinung war, waren sie zum Glück kaum wahrnehmbar. Ihre Ideen blieben auf kleine Kreise beschränkt und der Schaden war begrenzt.
Das Internet fungierte später als Verstärker. So wurden die wirren Thesen von einer Randerscheinung zu einem Massenphänom.
Mittlerweile kann jeder Hängengebliebene und Entrückte seine wirren Thesen in der Welt verbreiten, ohne dafür auch nur vor die Tür gehen zu müssen. Das Netz hat die Tore für alle Arten von Geisteskrankheiten geöffnet. Spätestens seit dem Phänomen Q wird das Internet mit Irrsinnigkeiten geflutet, die die Hoffnung auf einen Erlöser nähren. Da gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt, jeder Psychiater hätte seine helle Freude an derartigen Patienten.
Natürlich wechseln die Erlöser immer mal: Mal ist es Trump, dann mal wieder Putin oder der mysteriöse Q höchstpersönlich. Sogar das US-Militär im Rahmen sogenannter SHAEF-Manöver musste schon als Befreier herhalten. Es ging sogar so weit, dass nach dem entrückten Duktus mancher Experten, Konsorten wie Merkel und Co. bereits inhaftiert wurden. Damit keine Unruhe aufkommt, wurden diese natürlich durch Klone ersetzt. Unsere Befreier denken wirklich an alles.
Auch Termine, an denen deutsche Kasernen im Rahmen des Manövers besetzt werden sollten, gab es schon. Als dies nicht erfolgte, gab es natürlich die passende Ausrede.
Eigentlich könnte man darüber lachen, wenn diese Verrückten nicht ein Millionenpublikum erreichen würden. Sie liefern immer wieder Negativbeispiele, die suggerieren, der politische Widerstand bestehe nur aus Verrückten, was vom Mainstream natürlich genüsslich aufgegriffen wird. So wird der echte Widerstand diskreditiert und ins Lächerliche gezogen.
Noch schlimmer: Sie nähren eine falsche Hoffnung, nämlich die auf einen Erlöser. Teilweise wurde sogar Bullshit gepredigt, man sollte sich zurücklehnen und dem Plan folgen. Alles wird gut, und man sollte sich mit Popcorn in der Hand auf das Sofa setzen. Solche Botschaften lähmen, statt zu motivieren.
Auch den etwas Leichtgläubigen, Entrückten und geistig etwas Eingeschänkten sollte bewusst sein, dass man niemals auf helfende Hände warten sollte, besonders im politischen Bereich. Weder Putin und erst recht nicht ein Donald Trump wird für das deutsche Volk als Erlöser fungieren. Aus der russischen Föderation gibt es sogar aus Regierungskreisen die Aussage, dass die Menschen in Deutschland die Aufgabe selbst übernehmen müssen, Ordnung im eigenen Land zu schaffen.
Diesen Ausführungen kann ich mich nur vollumfänglich anschließen. Wer auf einen Erlöser wartet, der wartet auch am Hauptbahnhof auf ein Schiff. Für ebenso falsch halte ich es im übrigen auch, wenn man der Meinung ist, eine Partei wird es für mich richten und ich kann meine Verantwortung einfach an der Wahlurne abgeben und muss nichts mehr tun für die politische Wende.
Selbst handeln statt warten!
Haltet euch von solchen medialen Humbug fern, der von Personen verbreitet wird, die in eine geschlossene Einrichtung gehören. Folgt lieber den Worten, die dem großen Richard Wagner zugeschrieben werden: „Dreck nicht Dreck sein lassen, sondern mit beiden Händen aufräumen.“ Der echte Widerstand entsteht durch eigenes Handeln, nicht durch Warten auf Retter und Erlöser. Nur so kann man echte Veränderung herbeiführen und die „deutsche Krankheit“ überwinden.
Alexander Kurth