
Sorge um die Kleinsten- das offene Konzept im Kindergarten
Was ist mit den Kleinen los, sie schreien, treten, beißen, hauen und sind völlig überfordert.
Die Kleinsten außer Rand und Band, die Eltern sind ratlos und wissen oft gar nicht, was im Kindergarten vor sich geht.
Das offene Konzept im Kindergarten wirft viele Fragen auf, die mir große Sorgen machen.
In vielen Kindertagesstätten wird das offene Konzept als fortschrittlich und kindgerecht gefeiert. Kinder dürfen frei wählen, wohin sie gehen, womit sie sich beschäftigen und mit wem sie Zeit verbringen. Es klingt nach Freiheit, nach Selbstbestimmung, nach Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder. Und doch bleibt bei genauerem Hinsehen eine leise, aber hartnäckige Sorge zurück.
Denn Freiheit ist nicht für jedes Kind automatisch ein Geschenk. Für manche ist sie vielmehr eine stille Überforderung. Gerade die Jüngsten brauchen Halt – einen festen Ort, eine vertraute Bezugsperson, klare Strukturen, an denen sie sich orientieren können. Wenn all das verschwimmt, wenn Zugehörigkeit nicht mehr spürbar ist, entsteht Unsicherheit. Und diese Unsicherheit zeigt sich nicht immer laut. Oft ist sie leise: in dem Kind, das sich zurückzieht, das zuschaut statt mitmacht, das im Trubel einfach untergeht.
Was besonders nachdenklich stimmt, ist die Frage nach Bindung. Wer ist wirklich da für dieses eine Kind? Wer kennt seine Ängste, seine kleinen Eigenheiten, seine stillen Signale? Wenn Kinder ständig zwischen Räumen, Angeboten und Bezugspersonen wechseln, wird Nähe flüchtiger. Doch gerade diese Nähe ist es, die Kindern Sicherheit gibt – die ihnen das Gefühl vermittelt: „Ich werde gesehen. Ich bin wichtig.“
Hinzu kommt die Unruhe, die viele offene Konzepte mit sich bringen. Mehr Bewegung, mehr Geräusche, mehr Eindrücke – ein ständiges Kommen und Gehen. Für einige Kinder mag das lebendig und inspirierend sein. Für andere ist es schlicht zu viel. Sie finden keinen Rückzugsort, keine Pause vom Außen, keinen Moment, um einfach anzukommen.
Natürlich steckt im offenen Konzept auch etwas Wertvolles. Es will Kindern Raum geben, ihre Interessen zu entdecken, selbstständig zu handeln. Doch vielleicht verlangt es ihnen dabei manchmal mehr ab, als sie in diesem Alter tragen können.
Und genau hier liegt die eigentliche Sorge: Dass in all der gut gemeinten Freiheit diejenigen übersehen werden, die mehr Halt brauchen. Dass die Leisen nicht gehört werden. Dass Kinder stark sein müssen, bevor sie es überhaupt sein können.
Pädagogik sollte nicht nur Räume öffnen – sie muss vor allem Geborgenheit schaffen. Denn bevor ein Kind die Welt entdecken kann, braucht es das sichere Gefühl, dass es einen festen Platz darin hat.
Darum ist es wichtig, dass die Kleinsten nicht nur im Kindergarten Geborgenheit und Sicherheit erfahren, sondern auch im eigenen zu Hause, bei der Familie.
Als Eltern sollte man stets überlegen, ob ein Kindergarten mit offenem Konzept der richtige Ort ist und wie lange man sein Kind in der Obhut solcher Einrichtungen lässt.
Die Zeit der kindlichen Entwicklung persönlich zu erleben, bekommt man später nie zurück, dass sollte man wissen.
Herzlichst Schwester Anja