Neues aus der BRD-Familienpolitik. Teil 2.

Neues aus der BRD-Familienpolitik für 2026
Teil 2: Unterhalt – das ewige Streitthema

Über Unterhalt zu sprechen ist schwierig. Nicht, weil die Regeln so kompliziert wären, sondern weil kaum ein anderes Thema so emotional aufgeladen ist. Es gibt hier keine saubere Trennung in richtig und falsch, in Täter und Opfer. Es gibt Geschichten – unzählige. So unterschiedlich, so dramatisch und so verletzend wie Sterne am Himmel. Und jede einzelne fühlt sich für die Betroffenen absolut real an.

Unterhalt ist fast nie eine rein sachliche Frage. Immer schwingt etwas mit: Schuld, Enttäuschung, Verletzung, manchmal auch Wut. Da ist der Mann, der sagt, seine Frau habe ihn betrogen, sei gegangen, und jetzt müsse er zahlen, bis er selbst kaum noch über die Runden kommt. Und daneben steht die Frau, der man schwer erklären kann, warum sie Verständnis haben soll, nachdem sie nach fünfzehn Ehejahren für eine deutlich jüngere Frau verlassen wurde und plötzlich allein mit Kindern dasteht.

Dann gibt es Patchworkfamilien. Neue Partnerschaften, neue Kinder, alte Verpflichtungen. Menschen, die versuchen, Verantwortung zu übernehmen, und dabei erleben, dass das System auf seltsame Weise rechnet. Gerade hier wird die Widersprüchlichkeit besonders deutlich. Wenn es um Unterhalt geht, zählen neue Kinder oft nicht mit. Stiefkinder werden nicht angerechnet, wenn berechnet wird, wie viel jemand angeblich noch zur Verfügung hat. Das System tut dann so, als existiere diese neue Familie finanziell nicht.

Geht es zum Beispiel um Kita-Gebühren, Förderungen oder staatliche Leistungen, sieht die Rechnung plötzlich ganz anders aus. Dann zählt das Einkommen sehr wohl. Dann wird gerechnet, als trüge derselbe Mensch selbstverständlich Verantwortung für alle – obwohl genau diese Verantwortung an anderer Stelle zuvor ausgeblendet wurde.

Was dabei auch oft übersehen wird: Dieses System drückt nicht selten zwei Existenzen gleichzeitig nach unten. Der eine Elternteil zahlt mehrere hundert Euro Unterhalt, arbeitet, trägt Verantwortung und rutscht trotzdem gefährlich nah ans Existenzminimum. Auf der anderen Seite steht der betreuende Elternteil, der zwar Unterhalt erhält, diesen bei Bezug von Bürgergeld aber nahezu vollständig angerechnet bekommt. Mehr Geld bleibt also auch dort nicht.

Am Ende leben dann zwei Haushalte am Limit. Zwei Fraktionen am Existenzminimum. Und für das Kind entsteht dadurch keine echte zusätzliche Stabilität. Das Geld wird verschoben, verrechnet, angerechnet – aber das Grundproblem bleibt bestehen.

Steigender Unterhalt führt deshalb nicht automatisch zu mehr Sicherheit für Kinder. Sehr oft führt er zu mehr Streit, mehr Frust und mehr gerichtlichen Auseinandersetzungen. Besonders dort, wo Familien nicht mehr der klassischen Vorstellung entsprechen – bei Patchwork-Konstellationen, bei neuen Partnerschaften, bei mehreren unterhaltsberechtigten Kindern. Das System zeigt wieder seine Fratze und wirkt als Konfliktverstärker denn als familienpolitische Lösung.

Politisch wird Unterhalt dennoch meist technisch behandelt. Tabellen, Beträge, Anpassungen. Für 2026 steigen die Mindestunterhaltsbeträge erneut. Auf dem Papier ist das eine Reaktion auf steigende Lebenshaltungskosten. In der Realität bedeutet es für viele vor allem zusätzlichen Druck, weil der Selbstbehalt nicht im gleichen Maß wächst und das eigene Leben längst teurer geworden ist.

So entsteht der Eindruck, dass der Staat Verantwortung zwischen Eltern hin- und herschiebt, statt Familienstrukturen wirklich zu stabilisieren. Unterhalt wird erhöht, ohne das System als Ganzes zu denken – ohne Kindergeld, Steuerrecht, Wohnkosten und moderne Familienrealitäten zusammenzubringen. Am Ende stehen sich Menschen gegenüber, die sich gegenseitig als Gegner wahrnehmen, obwohl sie eigentlich dasselbe wollen: ein stabiles Leben für ihre Kinder.

Unterhalt ist notwendig, keine Frage. Kinder brauchen Sicherheit. Aber solange Familienpolitik hier vor allem als Rechenaufgabe verstanden wird, bleibt Unterhalt oft weniger Lösung als Konfliktverstärker – und Eltern werden gegeneinander ausgespielt, während sich das System selbst entlastet.

RW

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