„Sie sind Abschaum, sie sind kranke Menschen “

Gastbeitrag von Karl Richter

Der russische Geopolitiker und Publizist Alexander Dugin formulierte es kurz und bündig: mit dem „Dajjal“ – dem Lügner und Täuscher in der islamischen Theologie, der die Menschen in der Endzeit in die Irre führt – verhandelt man nicht. Man bekämpft und vernichtet ihn. Darin sind sich Moslems und Christen einig. Die Iraner hätten gewarnt sein müssen und waren es sicherlich. Am Mittwoch nun erklärte US-Präsident Donald Trump das Waffenstillstandsabkommen vom 17. April für null und nichtig und nahm unverzüglich die Bombardierung iranischer Ziele wieder auf. Teheran antwortete mit Angriffen auf US-Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait. Eine Beruhigung der Situation am Golf ist damit erst einmal vom Tisch.

Es lohnt, sich Trumps Wortwahl vor Augen zu führen, um sich keine Illusionen zu machen, mit wem es die Welt tun hat. Über die iranische Führung delirierte er: „Sie sind Abschaum, sie sind kranke Menschen, sie werden von kranken Menschen geführt, und sie sind bösartige, gewalttätige Menschen. Und wenn sie eine Atomwaffe hätten, würden sie sie einsetzen.“ Über weitere Gespräche mit Teheran halluzinierte er in dreister Umkehrung der Tatsachen: „Soweit es mich betrifft, ist es reine Zeitverschwendung, mit ihnen zu verhandeln. Sie sind Lügner.“

Die Wahrheit ist eine andere, und man muß sie vor Augen haben, um die Ereignisse richtig einordnen zu können. Aus der ersten Runde des Schlagabtauschs zwischen Ende Februar und Mitte April ging Iran als Sieger nach Punkten hervor. Die Atommacht USA als vermeintliche Schutzmacht der Region mußte schmerzhafte Verluste einstecken. Nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien (über die sich sowohl Trump als auch sein Kriegsminister Pete Hegseth bitterlich beschwerten) wurden bei den iranischen Gegenangriffen mindestens 17 der 19 US-Standorte getroffen, einige vernichtend, was einer Quote von 89 Prozent entspräche. Zumindest ein Teil der getroffenen Basen mußte geräumt werden. Kein Wunder, daß die arabischen Verbündeten Washingtons auf Distanz gehen: eine Schutzmacht, die niemanden schützt, braucht keiner.

Das ist aber nur ein Teil der Demütigung. Während sich Trump den Vorwurf gefallen lassen muß, er habe nach sechs Wochen Krieg praktisch nichts erreicht, ist der Iran unversehens auf die Weltbühne zurückgekehrt – unbesiegt und stärker denn je. Teheran beansprucht als Folge des Krieges nunmehr ganz offiziell die Kontrolle über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Reeder müssen seit dem 5. Mai formell bei einer eigens ins Leben gerufenen iranischen Behörde, der „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA), Durchfahrt-Genehmigungen beantragen und stattliche Gebühren entrichten – während die US-Supermacht danebensteht und zusehen muß. Für das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten, die erst dieser Tage mit viel Pomp den 250. Jahrestag ihres fragwürdigen Bestehens feierten, ist das völlig inakzeptabel. Der Waffenstillstand KONNTE zu diesen Bedingungen keinen Bestand haben. Noch akzeptiert Amerika nicht, daß es nicht mehr der Welt-Hegemon ist. Israel und die Epstein-Akten taten sicher ihr Übriges.

Damit ist die Welt wieder dort, wo sie im April war. Sie sollte sich daran erinnern, daß der Krieg nicht von Teheran vom Zaun gebrochen wurde, sondern – gegen jedes Völkerrecht – von den USA und Israel, die Iran inmitten laufender Verhandlungen am 28. Februar zu bombardieren begannen.

Dem iranischen Volk, das dem Großen Satan bislang in bewundernswerter Weise die Stirn bietet, kann jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, nur weiterhin jeden erdenklichen Erfolg wünschen: es kämpft derzeit an der Spitze aller derjenigen, die eine Welt ohne US-israelische Tyrannei wollen. Eine solche Welt ist nicht nur möglich, sondern mit allem Nachdruck zu unterstützen. Allein die Zahl der Opfer amerikanischer Sanktionen seit den siebziger Jahren liegt laut einer Untersuchung der University of Denver von 2025 bei unfaßbaren 38 Millionen Toten, die eigentlichen Kriegsopfer nicht eingerechnet. Eine Weltordnung, die so etwas als normal hinnimmt, ist eine Verbrecherordnung, die beseitigt werden muß. Mit etwas Glück wird Iran ihr Sargnagel.

Karl Richter

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