
Die kleine weiße Friedenstaube gegen den Zeitgeist des Krieges
Als Erika Schirmer 1949 die „Kleine weiße Friedenstaube“ schrieb, war die Welt vom Zweiten Weltkrieg gezeichnet. Städte lagen in Trümmern, Millionen Menschen waren tot. Aus dieser Erfahrung heraus entstand ein Lied, das eine klare Botschaft hatte: Nie wieder Krieg! Frieden sollte eine Verpflichtung sein.
Heute, 77 Jahre später, feiert Erika Schirmer ihren 100. Geburtstag. Wir wünschen Ihr in dieser Hinsicht natürlich alles erdenklich Gute. Ihr Lied wird noch immer in Kindergärten und Schulen gesungen und das ist gut so. Denn seine Botschaft ist notwendiger denn je, gerade in der heutigen Zeit.
Während Kinder vom Frieden singen, spricht die Politik von „Kriegstüchtigkeit“, steigenden Rüstungsausgaben und immer neuen Waffenlieferungen. Milliarden fließen in Panzer, Raketen und Munition, während gleichzeitig bei Bildung, Kultur und sozialen Aufgaben drastisch gekürzt wird. Wer heute für Verhandlungen, Abrüstung und Diplomatie eintritt, wird nicht selten als extremistisch abgestempelt.
Doch Geschichte lehrt etwas anderes: Jeder Krieg fordert unermessliches menschliches Leid. Am Ende sterben Menschen, Familien verlieren ihre Angehörigen, Städte werden zerstört und ganze Generationen tragen die Folgen.
Gerade deshalb wirkt die „Kleine weiße Friedenstaube“ heute wie ein stiller Widerspruch und Protest gegen den kranken politischen Zeitgeist, den wir aktuell in der brd erleben.
Erika Schirmer schrieb ein Lied der Hoffnung. Vielleicht liegt genau darin seine Kraft. Es braucht keine Parolen über Kriegstüchtigkeit, keine Feindbilder und vor allem keine Aufrüstung für fremde Kriege. Es braucht nur einen Satz, den jedes Kind versteht: Wir wollen Frieden.
Diese Botschaft sollte nicht nur in Kindergärten und Schulen erklingen. Sie gehört in die Parlamente, in die Regierungszentralen und vor allem in die Außenpolitik. Denn eine Gesellschaft, die den Frieden aus dem Blick verliert, verliert am Ende weit mehr als nur ihre Sicherheit. Sie säht Leid, Terror und die Destabilisierung ganzer Länder und erntet die Konsequenzen aus diesen Entwicklungen.
Zum 100. Geburtstag von Erika Schirmer bleibt deshalb nur ein Wunsch: Möge ihre kleine weiße Friedenstaube wieder lauter fliegen als die Rufe nach immer mehr Waffen.
Alexander Kurth