
Gastbeitrag von Karl Richter
Wenn man es nicht selbst miterlebte, hielte man es für einen schlechten Film, der schlechter, dümmer und böser nicht sein könnte. Man würde sich kneifen, um sicher zu sein, daß es nur ein schlimmer Traum ist. Man kann nicht einmal mehr diskutieren, weil es in einer Diskussion, jedenfalls unter vernunftbegabten Menschen, immer mindestens zwei denkbare Positionen gibt. Aber das ist nicht mehr der Fall.
Die Sache ist: der Westen – und Deutschland ganz vorne mit dabei – will den Krieg mit Rußland. Das konnten Klarerblickende zwar schon länger erkennen, allerspätestens seit dem Umsturz in der Ukraine 2014, der allein von der CIA mit 5 Milliarden Dollar gesponsert wurde. Sage nicht ich, sondern die damalige stellvertretende US-Außenministerin Victoria „Fuck the EU“ Nuland. Doch man konnte sich immer noch dumm stellen. Nicht wenige tun das bis heute. Aber die hielten auch Corona für eine Pandemie.
Heute, nach viereinhalb Jahren Krieg, in den der Westen – und wiederum Deutschland ganz vorne – schrittweise immer offener, immer massiver an der Seite Kiews eingetreten ist, kann sich eigentlich niemand mehr dumm stellen. Es begann mit 5000 Gefechtshelmen. Heute baut Deutschland für die Ukrainer weitreichende, hochleistungsfähige Drohnen, echte Spitzenqualität aus Germany, mit denen Ölraffinierien, russische Militäreinrichtungen und sogar Badegäste am Schwarzen Meer angegriffen werden. Heute kauft Deutschland für Milliardengelder Waffen in aller Welt, mit denen Russen umgebracht werden. Wahnsinnige wie Kiesewetter und Co. finden das gut. Verblendete wie der litauische Außenminister faseln von einem NATO-Angriff auf Kaliningrad (Königsberg) und stellen ihr Territorium ohne jede Heimlichtuerei für ukrainische Drohnenangriffe zur Verfügung. Jede andere russische Regierung hätte längst die „Oreschniks“ geschickt. Putin nicht. Aber vor einigen Monaten hat er eine Liste mit westlichen Firmen veröffentlichen lassen, die Drohnen für die Ukraine bauen. Eine befindet sich in Schrobenhausen in Niederbayern, eine andere im Münchner Norden, Luftlinie drei Kilometer von mir. Diese Firmen könnten, erklärte der Kreml, legitimes russisches Angriffsziel werden. Natürlich können sie das. Niemand wird die „Oreschniks“ abfangen.
Aber es genügt immer noch nicht. Deshalb jetzt der Leipziger Drohnen-Zwischenfall. Der Bundesinnenminister, der dafür immerhin seinen Urlaub unterbrach und nicht etwa zum Golfen fuhr, vermied die direkte Beschuldigung Moskaus aus gutem Grund – vermutlich weil die Indizien für eine Beteiligung des Kreml selbst ihm zu hanebüchen sind. Scharfmacher kritisieren ihn deshalb bereits. Der Terrorismus“experte“ Peter Neumann vom Londoner King’s College unterstellt – ohne Beweise, ohne Ermittlungsergebnisse – unumwunden die Täterschaft Rußlands und fordert Vergeltung. Die Politik dürfe jetzt „keine Schwäche kommunizieren“, fabuliert er – und spricht sich für offen feindliche „Antworten“ aus: Geheimdienstoperationen, noch mehr Unterstützung für Kiew und weitere, nicht näher bezeichnete Gegenmaßnahmen.
Ein anderer „Experte“, Nico Lange, verlangt, Deutschland müsse sich „endlich wehren“. Einen unmittelbaren militärischen Gegenschlag fordert er (noch) nicht. Kiesewetter bringt hingegen bereits NATO-Konsultationen nach Artikel 4 ins Gespräch.
Damit sich das Szenario der russischen Bedrohung auch richtig im öffentlichen Bewußtsein festsetzt, liefern westliche Geheimdienste die passende Begleitmusik. US-Geheimdienste melden sich mit der Einschätzung zu Wort, Putin könnte bis 2029 die NATO in Bedrängnis bringen. Aber: schon in wenigen Wochen (!) könne es einen „Vorfall“ geben. Na sowas.
Nochmals: das Abartige an alledem ist die dreiste Täter-Opfer-Umkehr, die sich die EU leisten kann, weil sie mißliebige Stimmen wie Jacques Baud, Thomas Röper, Alina Lipp, Elena Kolbasnikowa, Xenia Fedorova und andere konsequent zum Schweigen gebracht hat, von den faktisch verbotenen russischen Nachrichtenplattformen RT und „Sputnik“ gar nicht zu reden. Aber nicht Rußland ist doch seit dem Ende der Sowjetunion immer weiter an den Westen herangerückt, sondern umgekehrt – trotz der Zusage, die Gorbatschow 1990 gegeben wurde. Nicht Rußland hat doch in den letzten viereinhalb Jahren immer weiter eskaliert, sondern der Westen. Das sind Fakten. Sie sind bestens dokumentiert, bis hinauf zu Merkel, Hollande und vielen anderen. Jeder kann sie nachlesen.
Man kann sich des Eindrucks schlecht erwehren, daß sich die deutsche Politik mit Hochdruck warmläuft. Die Kakophonie läßt nur einen Schluß zu: es muß jetzt losgehen. Bald. Damit endlich der Spannungsfall ausgerufen werden kann. Dann fällt die Wahl in Sachsen-Anhalt aus. Dann ist der drohende Machtverlust zugunsten der AfD, der unausweichliche Bankrott der EU, der Zusammenbruch der US-Börsen und der Weltwirtschaft vom Tisch. Nein, das ist keine Verschwörungstheorie. Die ticken wirklich so.
Der Krieg ist längst beschlossene Sache. Ich sehe nichts, was ihn noch aufhalten wird. Zu viele brauchen ihn. Jetzt muß zurückgeschossen werden. Vielleicht sogar wieder am 1. September. Das wäre doch ein Clou.