
„Ich sage mit ziemlich großer Überzeugung, dass Präsident Putin als Staatsmann, als Führer Russlands, die akzeptabelste politische Figur ist – so seltsam das für Sie auch klingen mag – und auch für Zentralasien, einschließlich Kasachstan. Meiner Ansicht nach auch für Europa und für die ganze Welt.“ Wer das sagte, war nicht ein sogenannter „Putin-Troll“, sondern Kasachstan Präsident Kassym-Schomart Tokajew. Und er sagte das nicht in China oder der Mongolei, sondern Seite an Seite mit Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch in Berlin.
Dass er das sagte, konnte niemand in der FAZ lesen oder bei ARD oder ZDF sehen. Denn diese Äußerung eines international sehr angesehenen Politikers aus einer ehemaligen Sowjetrepublik wurde nur in den sozialen Netzwerken bekannt gemacht. Was sicher ein Grund mehr ist, diese Informationsquelle endlich unter strengere Kontrolle des Machtapparates hierzulande zu bringen. Filmaufnahmen der denkwürdigen Szene zeigen größte Verunsicherung bei Merz, der danach nur missmutig seine übliche Ergebenheitsadresse an die Selensky-Ukraine beteuerte.
Tokajews Worte sind auch der schlagende Beweis, wie verlogen die Behauptung ist, dass der russische Präsident beabsichtige, die alte Sowjetunion wiederherzustellen. Im Gegensatz zur Ukraine haben Russland und Kasachstan sehr gute Beziehungen miteinander, lebt die nicht geringe russische Minderheit friedlich mit den zumeist muslimischen Kasachen zusammen. Was Tokajew über Putin sagte, wird übrigens in weiten Teilen der Welt geteilt. Gut, dass es mal im kriegswütigen Kanzleramt so deutlich gesagt wurde.
Wolfgang Hübner