Die nächste Pleite: US-Truppen räumen Irak

Die nächste Pleite: US-Truppen räumen
Irak – nach 23 Jahren
 
Die „einzige
Weltmacht“ (Z. Brzezinski) muß eine weitere demütigende Niederlage einstecken:
nach mehr als zwei Jahrzehnten endet das amerikanische Besatzungsregime im
Irak. Beobachtern drängt sich der Vergleich zur überstürzten Flucht aus
Afghanistan im Sommer 2021 auf. Nach Angaben eines irakischen
Regierungsvertreters haben sämtliche amerikanischen Kampf- und
Unterstützungskräfte mittlerweile das Land verlassen. Die offizielle Bestätigung
aus Washington liegt inzwischen vor. Der Abzug war 2024 zwischen Bagdad und
Washington vereinbart worden.
 
Zuletzt waren
nach Angaben des Pentagons noch rund 2500 US-Soldaten im Irak stationiert. Ihre
letzten Standorte lagen in Erbil in der Kurdenregion, nahe dem Flughafen von
Bagdad sowie in der sogenannten Grünen Zone im Regierungsviertel der
Hauptstadt.
 
Der Abzug
erfolgt in einer angespannten Sicherheitslage und sieht die USA als eindeutigen
Verlierer. Im aktuellen Krieg zwischen den USA und Iran, der Uncle Sam bislang
vor allem demütigende Verluste einbrachte, wurde der Irak erneut zum Schauplatz
des Konflikts. Hunderte Angriffe richteten sich gegen US-Einrichtungen und
amerikanische Soldaten im Land, aber auch gegen Stellungen kurdischer Kräfte.
Iran und mit Teheran verbündete irakische Milizen feiern den Abzug nun zu Recht
als Erfolg. Für die amerikanische Position im Mittleren Osten ist er ein
weiterer Sargnagel.
 
In Bagdad wird
das Ende der US-Militärpräsenz als „Tag der Unabhängigkeit“ begangen. Am Mittwoch
begannen vier offizielle Feiertage, an denen alle staatlichen Einrichtungen
geschlossen blieben.
 
Parallel zum
Abzug sollten eigentlich die mit Iran verbündeten Milizen entwaffnet und in die
staatlichen Sicherheitsstrukturen eingegliedert werden. Ministerpräsident Ali
al-Saidi verschob dieses Vorhaben erst einmal. Die Umsetzung ist nun für Juni
kommenden Jahres vorgesehen. Spätestens mit diesem Schritt wird auch der Irak
formell Teil des „schiitischen Korridors“, der sich inzwischen vom Iran bis ans
Mittelmeer zieht. Weder Washington noch Israel konnte diese Entwicklung
verhindern. Teheran steht als Punktsieger auf ganzer Linie da.
 
Die
amerikanische Besatzung begann 2003 mit dem Einmarsch einer von den USA
geführten Koalition und dem Sturz Saddam Husseins – wie üblich unter
Vorspiegelung eines erfundenen Kriegsgrundes. Der damalige US-Außenminister
Colin Powell hatte den Vereinten Nationen gefälschte Beweise für angebliche
Massenvernichtungswaffen präsentiert und so die Militärintervention, die
Entmachtung und schließliche Ermordung Saddam Husseins (2006) gerechtfertigt.
Sie stürzte das ehedem fortschrittliche Land in eine Ära des Chaos – der
übliche Kollateralschaden westlich-amerikanischer Demokratieexporte.
 
Nach 2014
begründete Washington die Fortdauer der Besatzung mit der Bedrohung durch die
Kopfabschneidermiliz „Islamischer Staat“ (IS) und rief zu ihrer Bekämpfung eine
Allianz ins Leben. Bezeichenderweise erreichte der Machtbereich des IS erst
seither seine größte Ausdehnung. Den Spuk beendete erst die russische
Luftwaffe, die ihrerseits ab Oktober 2015 die Bekämpfung des IS aufnahm und das
selbsternannte „Kalifat“ in den darauffolgenden Jahren erfolgreich liquidierte.
Der Anteil der USA daran war vernachlässigbar. Seine Zerstörung des souveränen
Irak leider nicht.
 
kr
 

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