#Erlebnisse in der Massentierhaltung

#Gastbeitrag

Erlebnisse in der Massentierhaltung

Vor dem Einsatz Tierproduktion graute mir, dementsprechend bekam ich diese Zeit serviert. Vorgesehen war für uns Agrotechniker ein Monat, daraus wurden vier, da auf dem MTS-Stützpunkt im Winter mit uns niemand was anzufangen wusste. Zuerst war ich 5 Wochen im Schafstall, sah ihn aber nur ein paar Mal von innen, weil ich zum Geschirrabwaschen eingeteilt war. Das fand ich demütigend, weil ich sehr wohl in der Tierproduktion angelernt werden wollte. Und dann ließ der „Meister“ immer sein Geschirr auf dem Tisch stehen anstatt es in die Durchreiche zu stellen wie die anderen. Ich beabsichtigte ihn darauf anzusprechen, er war jedoch zu abweisend. Also wusch ich sein Geschirr einmal nicht ab und war dann unten durch. Jahre später stand über ihn in der Ostseezeitung. Seine Schäferei hatte sich gehalten.

Die Tiere waren aber auch in einem luxuriösen Jesusstall untergebracht und im Frühjahr ging‘ s auf die Weide.
Ganz im Unterschied dazu Kühe und Schweine. Bei letzteren war ich 1/2 Tag und konnte mir nicht wirklich einen Überblick verschaffen. Sie sahen nie die Sonne und hatten nur Stroh, wenn sie warfen. Daran hat sich wohl seit 1991 nichts geändert. Ich habe nie welche fröhlich grunzend außerhalb eines Stalls gesichtet. Dafür wurden sie von den Pflegern in Zucker gepackt: „Ach, mein süßes, armes..“ usw.. Dort wäre ich lieber geblieben. Wir wurden den in einer anderen Kultur heiligen Geschöpfen zugeteilt, so heilig, dass sie angekettet waren und ebenfalls das ganze Jahr der Sonne fern auf Rosten vegetierten, durch die ihre Fäkalien fielen, in denen sie auch lagen.

Die Arbeit war körperlich anstrengend, regelrechter Leistungssport und ich musste feststellen, dass die Langsamkeit, die mir ungerechterweise im Schafstall nachgeredet wurde, ihre Berechtigung hatte. Das monierte allerdings niemand. Wir waren Agros und ein Melkgeschirr genügte, um uns in Stress zu versetzen. Die Facharbeiter hantieren mit dreien! Als ich in der Futterbrigade zugeteilt war, wurde ich sogar gelobt, einige nette waren darunter. Dominiert wurde jedoch das gesamte Team von zwei zwielichtigen Gestalten, vor denen einige Kühe erzitterten.

Lustig knallten ihre Luftdruckpistolen, wenn’s auf Rattenjagd ging. Nach dem Einschalten des Lichts strömten die Ratten auf die Löcher zu und blieben dort baumeln. Der Jagdtrieb der zwei verschaffte ihnen gute Erfolge. Sie nutzten ihre Waffen jedoch auch in der Pause, um Vergeltung an den Heiligen zu üben. Die Kühe aus ihrer Melkreihe wurden nicht nur aggressiv getreten, sondern auch mit der Pistole bearbeitet. Und es gab den Elekroschocker.

Dieser wird hin und wieder verwendet, wenn eine Kuh transportiert werden soll oder in einen anderen Stall überführt und sie ein bissel stur steht. Diesen dann zu gebrauchen, erscheint noch nachvollziehbar. Aber ich erlebte, dass eine Kuh sich einem Pfleger entwunden hatte und außerhalb des Stalls freilief. Da waren sie, die zwei, für solche Ausrisse wohl prädestiniert, und machten die Kuh dingfest. Die Strafe blieb nicht aus. Vor meinen Augen hielt der eine die Kuh fest, der andere überspülte sie mit Wasser und hielt den Elektroschocker dran. „Lasst das“, entwand sich mir kaum hörbar. Nein, es hatte für sie keine Konsequenzen, auch als der eine mich am letzten Tag mit dem Kopf ins Wasser eines Bottichs drücken wollte wegen einer Anweisung, die ich nicht befolgte, weil es nicht zu meinen Aufgaben gehörte. Naja, niemand von uns Agros hat je den Mund aufgetan und von den Facharbeitern auch nicht.

Die Milchviehanlage und der Schweinestall existierten im übrigen nicht mehr lange nach der Wende.

Nein, ich laste vorsätzliche Tierquälerei keinem Landwirt an, denn das liegt in seiner Verantwortung. Einen guten Umgang mit den Tieren das sollten wir seinem Gewissen und Stolz überlassen. Nur gehören solche Haltungsbedingungen für Lebewesen verboten.

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