#Klinikum Zeitz – Die Reportage

Unsere ungetrübte Meinung zu Zeitz

Liebe Leser und vor allem werte Zeitzer,

die letzten Wochen führten unsere Reporter gleich mehrfach in Ihre Stadt. Da wir bereits länger zum Thema ‚Ärztemangel und verfehlte Gesundheitspolitik‘ recherchieren, wollten wir auch über die Situation in Zeitz berichten.

Bisher berichteten wir aus Mecklenburg-Vorpommern, wo in manchen Regionen Eltern einen Anreiseweg von über 50km auf sich nehmen müssen, um einen Kinderarzt aufzusuchen. Wir kennen die Probleme in Leverkusen, wo in den nächsten Jahren ein großer Teil der Hausarztpraxen aus Altersgründen geschlossen werden soll. Darüber hinaus waren wir im sächsischen Vogtland unterwegs, wo der Landärztemangel ein großes Problem darstellt.

Sie sehen also, lieber Zeitzer, die Sorgen und Nöte, die Sie derzeit bedrücken sind im ganzen Land allgegenwärtig. Ein marodes und auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Gesundheitssystem schädigt nicht nur die medizinischen Versorgungseinrichtungen im ländlichen Raum, auch Großstädte sind mehr und mehr Opfer dieser Fehlpolitik.

Nun aber zurück zu Ihrer Stadt – eine Region, die nach Zerschlagung ihrer Industrie, wie viele Gemeinden, unter Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Abwanderung litt. Tausende Einwohner hat Zeitz in den Jahren nach der Wiedervereinigung verloren. Der Strukturwandel, verbunden mit dem Braunkohleausstieg, bereitete den Zeitzern neue Sorgen. Viele Arbeitnehmer und ihre Familien sahen nun erneut ihre Existenz bedroht. Jeder weiß, was ein Jobverlust in einer strukturschwachen Region bedeuten kann. Laut Aussagen aus der etablierten Politik soll dieser Ausstieg aus der Braunkohle sozialverträglich erfolgen – es könnten sogar neue Arbeitsplätze in der Chemieindustrie oder in den Bereichen grüner Energie entstehen. Wie letztendlich die Realität ausschaut, werden die Zeitzer wohl erst in ein paar Jahren erfahren. Da, wo den Menschen schon einmal blühende Landschaften versprochen worden, ist das Misstrauen in solche Versprechungen natürlich groß.

Zumindest das Zeitzer Klinikum gilt als einer der letzten Leuchttürme in der Region. In der einstigen Stadt der Kinderwagen erblickten noch Kinder das Licht der Welt, Kinder die Zukunft für jede Region bedeuten. Die Meldung über die Insolvenz und die drohende Schließung der Geburtenstation und der Kinderklinik sorgten für eine Schockstarre in Zeitz. Eine Schockstarre, die zum Glück nur kurz anhielt. Sie alle kennen die Bilder von der Kundgebung vor dem Klinikum und die Bilder von der imposanten Kundgebung in der Stadt, oder Sie waren selbst dabei. Bis auf ein paar Dauernörgler gab es nur ein Ziel: gemeinsam für unsere Klinik! Gemeinsam dafür, dass “Geboren in Zeitz“ nicht der Vergangenheit angehört – wie so Vieles, was durch politische Fehlentscheidungen unwiderruflich zerstört wurde.

Wir machen nun einen Schwenk zur gestrigen Veranstaltung am Rande der Kreistagssitzung in Naumburg. Trotz Regens haben sich wieder hunderte Teilnehmer versammelt. Vom Opa mit der Gehilfe bis hin zur Zeitzer Jugendfeuerwehr sind alle vertreten. Landrat Götz Ulrich (CDU) tritt ans Mikrofon, der in den letzten Wochen auch ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle erlebte. Seine innerhalb von wenigen Stunden erfolgte Kehrtwendung, was das Zeitzer Klinikum betrifft, lässt ihn bei vielen Bürgern nicht gerade glaubwürdig erscheinen. Teilweise wird dies auch auf selbst angefertigten Plakaten zum Ausdruck gebracht. Es ist gut, dass die Menschen wachsam bleiben. Bei seiner Begrüßung am Montagabend erntet er erstmal wenig Begeisterung. Er spricht davon, dass es doch gut ist, dass man den Demonstranten das Gelände vor dem Landratsamt zur Verfügung gestellt hat. Nun aber, lieber Herr Ulrich: das Gelände und das Landratsamt gehört den Menschen, die gestern dort demonstrierten, da sie durch ihre Steuern dieses Landratsamt finanzieren, genauso wie sie Ihr Gehalt finanzieren!

Auch am Montagabend werden verschiedene Reden gehalten; das Aktionsbündnis Zeitz kommt zu Wort, ebenso wie die sichtlich erleichterten Hebammen. Von den Kreisräten spricht ein Mitglied der AfD Sachsen-Anhalt zu den Versammlungsteilnehmern. Was uns auffällt ist eine gewisse Kurzsichtigkeit bei gewissen Themen, da man sich nur Symptomen widmet, aber nicht den Ursachen, die letztendlich für Situationen wie in Zeitz verantwortlich sind. Kaum ein Wort zu einer völlig desolaten Gesundheitspolitik. Kaum ein Wort zu den Millardenüberschüssen der Krankenkassen und kein Wort zu den Millardenbeträgen, die auf Bundes- und Landesebene verpulvert werden. Bei diesen Beträgen handelt es sich wohlgemerkt um Steuergelder.

Die Redebeiträge spielen am gestrigen Abend aber nur eine untergeordnete Rolle. Alles wartet auf die Entscheidung der Kreisräte, die zeitnah erfolgen sollte, sich aber dann doch über Stunden hinzieht. Die Redebeiträge werden auch zu den noch anwesenden Bürgern vor dem Landratsamt übertragen, bis sich die Reihen lichten. Immer wieder hört man von ‚Wirtschaftlichkeit‘ und welche Gewinne denn in Zukunft zu erwarten sind. Alleine dieser Sachverhalt verdeutlicht die gravierenden Fehler in unserem Gesundheitssystem. Die medizinische Versorgung der Menschen in diesem Land sollte niemals an wirtschaftliche Interessen geknüpft werden. Auch nicht in strukturschwachen Regionen, die sowieso schon um jeden Einwohner kämpfen müssen. Die Gesundheitsversorgung muss den Menschen dienen und nicht der Gewinnmaximierung. Wie ein Klinikum in kommunaler Trägerschaft überhaupt von Insolvenz bedroht sein kann, ist die Frage, die sich viele Menschen auch am gestrigen Tag stellen.

Als die Außenübertragung eingestellt wird, besuchen auch wir die Kreistagssitzung, die noch immer andauert. So viel Interesse weckte wohl bisher keine Kreistagssitzung – trotz zusätzlicher Bestuhlung ist jeder Platz belegt. Mit knappem Ergebnis beschließen die Mitglieder des Kreistages eine namentliche Abstimmung.

Letztendlich stimmt der Kreistag dafür, dass die Frauenheilkunde und die Kinderklinik an beiden Standorten erhalten bleibt. Das Ergebnis lautet 31 × Ja, 10 × Nein und 10 Enthaltungen. Abgestimmt wurden im Übrigen drei Punkte: neben dem eigentlichen Erhalt der beiden Klinikstandorte in Naumburg und Zeitz ging es um die Beibehaltung der kommunalen Trägerschaft. Punkt 3 beinhaltete den Defizitausgleich, der in Zukunft vom Kreis übernommen werden soll. Hier wird unter anderem von der AfD kritisiert, dass keine genauen Zahlen vorliegen und dass die Angabe von 1,6 Millionen Euro im Jahr lediglich auf Schätzungen beruht.

Für den Burgenlandkreis heißt es in Zukunft, dass der Gürtel noch enger geschnallt werden muss und das in einer Region, die sowieso schon finanziell arg gebeutelt ist. Wieder einmal zahlen die Kommunen und die Steuerzahler die Zeche für die Fehlpolitik auf Bundes- und Landesebene. Wieder einmal wurden Probleme nur verlagert und verschoben, anstatt zukunftsorientierte Lösungen zu finden. Neben dem Druck auf die Zeitzer Kommunalpolitik würden wir uns einen solchen Druck auf die Landes- und Bundespolitiker wünschen. Hier könnten auch mal Politiker wie Götz Ulrich (CDU) oder Rüdiger Erben (SPD) aufzeigen, ob es ihnen wirklich um die Menschen in der Region geht oder ob ihr Agieren rund um das Zeitzer Klinikum aus reinem Machtkalkül erfolgte!? Schließlich sind sie beide Mitglied in Parteien, die die Politik und somit auch die Gesundheitspolitik in Land und Bund bestimmen. Bei allen Veranstaltungen sahen wir den Zeitzer Direktabgeordneten André Poggenburg, MdL, auch seinen Einsatz rund um das Klinikum und die Region Zeitz werden wir in Zukunft im Auge behalten. Hier stehen natürlich alle anderen Kommunalpolitiker ebenfalls in der Pflicht.

Wir bleiben auch in Zeitz ungetrübt am Ball.

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