
Einführend sollte ich erwähnen, dass jüngere Generationen oder Bewohner aus den gebrauchten Bundesländern wohl kaum etwas mit dem Sänger und Schauspieler Dean Reed anfangen können. Ich möchte trotzdem ein paar Zeilen dazu schreiben.
Heute vor 40 Jahren verstarb Dean Reed. Es ist immer Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Geboren wurde er 1939 in Denver, USA. Wirklich bekannt wurde er allerdings nicht in seiner Heimat und dies trotz Plattenverträgen, sondern in Lateinamerika, der damaligen Sowjetunion und den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Während seine Karriere in den USA trotz kleinerer Erfolge nie richtig ins Laufen kam, füllte er dort ganze Fußballstadien und wurde zum Idol.
Teilweise legten Auftritte von Reed ganze Innenstädte lahm.
Reed war kein Künstler, der sich mit reiner Unterhaltung zufriedengab. Er sah Musik und Film immer auch als Mittel im Kampf gegen Ungerechtigkeit. So trat er kostenlos in Fabriken, Schulen und Gefängnissen auf, unterstützte chilenische Arbeiter unter Salvador Allende, protestierte gegen die US-Interventionen in Vietnam und Lateinamerika und stellte sich offen gegen Diktatoren wie Pinochet. Deshalb wurde er in Chile sogar festgenommen und des Landes verwiesen. Ich muss an dieser Stelle sicherlich nicht extra erwähnen, dass Pinochet zu den vielen Menschenschindern gehörte, die federführend von den USA unterstützt wurden.
Selbst im Nahen Osten engagierte er sich politisch, besonders an der Seite von Jassir Arafat für den palästinensischen Befreiungskampf. Was hätte Reed wohl zu dem Genozid an der palästinensischen Zivilbevölkerung gesagt? Er hätte nicht geschwiegen wie ein Großteil der heutigen Künstler, er hätte lautstark seine Stimme erhoben.
Politisch ordnete er sich klar als Sozialist ein. Das war für ihn kein Lippenbekenntnis, er verteidigte diesen Standpunkt bis zu seinem Tod, selbst in seinem Abschiedsbrief, und dies trotz seiner zunehmenden Enttäuschung vom DDR-System.
Anfang der 70er Jahre zog Reed in die DDR, wo ihn die Staatsführung natürlich als Aushängeschild feierte: ein Amerikaner, der sich freiwillig für den Sozialismus entschied, das gab es schließlich nicht allzu oft. Reed selbst tat sich mit dieser Rolle aber auch schwer. Er merkte, dass seine idealistische Vorstellung von Gerechtigkeit und die Realität in der DDR nicht immer zusammenpassten. Sein Stern sank irgendwann auch in der DDR, und die Karriere geriet ins Stocken.
Im Juni 1986 starb Dean Reed. Offiziell hieß es erst, es handele sich um einen tragischen Badeunfall, letztendlich war es wohl ein Selbstmord. Spekulationen um seinen Tod halten sich trotzdem bis heute. Wurde er vom KGB oder der Stasi beseitigt? Oder hatte die CIA Interesse daran, seine Rückkehr in die USA zu verhindern, die angeblich geplant war? Mutmaßen kann man letztendlich vieles. Sicher ist nur: Sein Tod machte ihn endgültig zur tragischen Figur.
Dean Reed war und bleibt umstritten. Er ließ sich vom DDR-System zumindest teilweise benutzen, das ist wahr. Aber anders als viele heutige Künstler hatte er eine klare Haltung. Er stellte sich gegen Krieg, Ausbeutung und Raubtierkapitalismus und das nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Alltag. Kein Vergleich zu den heutigen Handpuppen wie Grönemeyer, Westernhagen, Lindenberg oder Kerkeling, um nur einige wenige zu nennen.
Damit unterschied er sich auch deutlich von Elvis Presley, der politisch nie Stellung bezog und selbst beim verbrecherischen Vietnamkrieg schwieg.
Und eines sollte man nicht vergessen, egal wie man Reed sonst bewertet: Gerade diejenigen, die Reed heute vorwerfen, er habe sich für die DDR-Führung vereinnahmen lassen, sind oft selbst Teil eines Systems, das bis ins Mark ablehnenswert ist. Die vorhin schon erwähnten Künstler und Journalisten, die ein System unterstützen wie das aktuelle, mit all seinen Schweinereien, denen steht es am wenigsten zu, heute den moralischen Zeigefinger zu erheben!
40 Jahre nach seinem Tod bleibt Dean Reed natürlich eine widersprüchliche, aber trotzdem beeindruckende Figur. Ein Mann, der mit seiner Kunst und seinem Engagement die Welt verändern wollte und dafür bereit war, vieles zu riskieren.
Beenden möchte ich diesen kleinen Artikel mit dem Wort oder Spruch: Venceremos – Wir werden siegen! Dieser passt auch in die heutige Zeit, in der zahlreiche Menschen gegen Unrecht aufstehen!
Alexander Kurth (Redakteur Ungetrübt Media)