
Man muss schon relativ lange zurückschauen, um eine Partei zu finden, die bei einer Landtagswahl ein Ergebnis von über 44% erreicht hat. Laut unseren Recherchen war es die CSU in Bayern im Jahr 2013. Nun hat die AfD laut ersten Hochrechnungen 44,5% geholt. Die Gesichter der Vertreter von „Unsere Demokratie“ sprechen Bände und sind wohl das Schönste an diesem Wahlabend.
Ob es für die AfD letztendlich für eine absolute Mehrheit reicht, ist jetzt noch nicht absehbar. Schon jetzt werden Gerüchte laut, dass es bei der CDU einige Abweichler geben könnte, ein Umstand, der nicht verwunderlich ist und ein Umstand, der einmal mehr unterstreichen könnte, was für Charakterlumpen sich in den Altparteien befinden.
Egal wie der heutige Abend noch verläuft, schließlich müssen ja noch die Briefwahlstimmen ausgezählt werden, das Ergebnis ist historisch. Das muss man anerkennen, egal wie man zur Partei steht.
Kommt die AfD tatsächlich in Regierungsverantwortung, beginnt für sie ein ganz neues Kapitel. Es ist schließlich leicht, aus der Opposition heraus zu kritisieren und auf Missstände hinzuweisen. Selbst zu regieren ist eine ganz andere Sache. Das merkt die Partei ja bereits auf kommunaler Ebene.
Und eines sollte man sich dabei nichts vormachen: Das System wird alles dafür tun, um Erfolge der AfD zu verhindern. Schon deshalb, weil es für viele System-Günstlinge und Deutschlandabschaffer um das nackte wirtschaftliche Überleben geht. Zu viel hängt inzwischen an diesem politischen System, zu viele gut bezahlte Posten, Fördergelder und Pfründe. Gerade die Vereinsmafia, ist der größte Nutznießer, der aktuellen Politik. Dies könnte in Sachsen-Anhalt nun zumindest teilweise vorbei sein.
Setzt die AfD zumindest einige ihrer Forderungen durch, könnte dies bereits für reichlich Unruhe sorgen. Keine Förderung für NGOs, keine Finanzierung von Projekten, die aus unserer Sicht der Familienzerstörung dienen, und raus aus dem Rundfunkstaatsvertrag. Allein diese drei Punkte würden ausreichen, um bei den etablierten Strukturen Schnappatmung auszulösen.
Mehr ist aus momentaner Sicht heraus leider auch nicht zu erwarten, wenn man die Sache nüchtern betrachtet. Selbst ein Wahlergebnis von 44,5% bedeutet schließlich nicht automatisch, dass die AfD sämtliche politischen Vorstellungen umsetzen kann. Der Widerstand des etablierten politischen und medialen Systems dürfte gewaltig sein.
Es besteht aber auch die Gefahr, dass sich die AfD in Sachsen-Anhalt bequem im Hamsterrad Parlamentarismus einnistet und wirklich heiße Eisen nicht anpackt und stattdessen nur ein paar Placebo-Reformen anstrebt. Wie sogenannte heimattreue Parteien fungieren, sehen wir teils im europäischen Ausland. Da gab es schon die ein oder andere Enttäuschung.
Raufen sich die Altparteien mit der Linkspartei und eventuell mit dem BSW zusammen, wenn das BSW überhaupt in den Landtag kommt und erneut umfällt, wäre es trotzdem ein guter Tag für Deutschland. Denn dieser Umstand würde einmal mehr aufzeigen, wie moralisch verkommen das politische System der BRD inzwischen ist.
Denn wenn Parteien, die sich vor der Wahl noch gegenseitig bekämpfen und ausschließen, anschließend plötzlich gemeinsam gegen den Wahlsieger regieren, dann sollte sich jeder Wähler die Frage stellen, was von den großen Versprechen und angeblichen politischen Grundsätzen eigentlich noch übrig ist.
Auch wir gratulieren Ulrich Siegmund zu diesem Ergebnis und zu diesem Wahlkampf, der wirklich seinesgleichen suchte. Und das, obwohl wir die AfD in einigen Punkten auch kritisch betrachten.
Denn Kritik muss erlaubt sein. Blauäugiges Agieren und selbst bei erkennbaren Fehlern keine Kritik zu äußern, ist nicht hilfreich. Wer politische Verantwortung übernehmen will, muss auch in der Lage sein, Fehler zu erkennen und sich selbst kritisch zu hinterfragen.
Aber heute ist zunächst einmal nicht der Tag für diese Diskussion.Heute ist der Tag, an dem die Wähler ein politisches Erdbeben ausgelöst haben. Die Wähler haben Nein gesagt zu einer verfehlten Einwanderungspolitik, zu Kriegsbegeisterung, zu irrsinnigen Sanktionen und zur Zerstörung des Mittelstandes.
44,5% für die AfD sind nicht einfach nur ein gutes Wahlergebnis. Es ist eine deutliche Abrechnung mit den etablierten Parteien und mit einer Politik, die von immer mehr Menschen offensichtlich nicht mehr akzeptiert wird.
Und ganz gleich, wie die endgültigen Zahlen am Ende aussehen werden: Dieser Wahlabend wird in die Geschichte eingehen.
Alexander Kurth