
Es gibt Menschen, bei denen man sich fragt, wie sie eigentlich in die Politik gekommen sind. Und dann können kommt Philipp Amthor.
Man könnte meinen Amthor wäre irgendwann bei einer Klassenfahrt in den Bundestag vergessen wurden und seitdem von der CDU großgezogen. Wenn man Amthor sieht und sein politisches agieren betrachtet, so kann man diese Theorie zumindest nicht völlig ausschließen.
Seitdem hat der kleine Philipp eine erstaunliche Karriere hingelegt. Mit 16 trat er der CDU bei, offenbar hatte die Partei damals schon erkannt, dass man Nachwuchs auch langfristig im Haus behalten kann.
Das kleine Früchtchen, was wirkt wie ein Senior gefangen in einem Kinderkörper, lernte schnell die Gepflogenheiten in der größten kriminellen Vereinigung auf deutschen Boden kennen.
Dann kam Augustus Intelligence.
Amthor setzte sich für das US-Start-up Augustus Intelligence ein, schrieb unter anderem an das Wirtschaftsministerium und erhielt gleichzeitig Aktienoptionen und einen Direktorenposten. Später bezeichnete er sein Engagement selbst als Fehler und gab die Optionen zurück.
Andere Politiker hätten sich nach so einer Geschichte vielleicht für eine Weile unauffällig in den Hintergrund gestellt. Philipp Amthor wurde stattdessen Staatsminister im Kanzleramt. Man muss der CDU eines lassen: Karriereförderung und Lobbyismus beherrscht sie perfekt. Gleiches gilt aber für fast alle Parteien im Bundestag.
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, ist Amthor wieder zur Stelle. Die AfD holt fast 44 Prozent, die CDU stürzt auf ein historisch schlechtes Ergebnis ab und Amthor erklärt sinngemäß: Jetzt müsse die AfD erst einmal zeigen, was sie daraus macht. Den Reformkurs der Bundesregierung wolle man jedenfalls nicht infrage stellen.
Und wer jetzt denkt, spätestens nach diesem Wahlergebnis müsse man vielleicht einmal über Friedrich Merz reden, der kennt Philipp Amthor schlecht. Für ihn ist Merz weiterhin der richtige Kanzler und der richtige Parteivorsitzende.
Natürlich.Warum sollte man nach einer historischen Wahlniederlage, gebrochenen Wahlversprechen und sinkenden Umfragewerten den Kapitän austauschen? Der Kapitän der Titanic ging ja schließlich auch gemeinsam mit seinem Schiff unter. Nur wird man über die Titanic noch in 100 Jahren reden, da ist Merz längst vergessen.
Philipp Amthor bleibt also, was er immer war: der CDU-Musterknabe, der irgendwie nie erwachsen werden musste, weil die Partei ihn wohl schon als Kind adoptiert hat.Und wenn eines Tages der letzte CDU-Wähler das Parteibuch abgibt, wird Amthor vermutlich noch im Adenauer-Haus sitzen. Mit Krawatte. Vor einem Porträt von Konrad Adenauer. Und sich fragen, warum die Wähler einfach nicht verstanden haben, dass eigentlich alles ganz hervorragend läuft. Oder man gibt ihn einfach vorher an einer Babyklappe ab.
Alexander Kurth
(Bildquelle: Netzfund)