Wandlitz trauert um toten Spaziergänger!

Gedenkveranstaltung für den ehemaligen In Extremo Musiker Boris Pfeiffer in Wandlitz + Interview mit Andy Habermann (Wutbürger)

Wandlitz ist vielen ehemaligen DDR-Bürgern noch in Erinnerung. Dort verschanzten sich die Regierungsbonzen vor ihrem Volk. Ein Volk dessen Grundrechte und dessen Freiheit mit Füßen getreten wurde und was glaubte, sich seine Freiheit im Jahr 1989 zurückgeholt zu haben. Wir springen ins Jahr 2022 und wie schon 1989 sind Attribute wie Demokratie, Grund- und Menschenrechte erneut bedroht. Dieses Mal gehen im vereinten Deutschland die Menschen auf die Straße! Etwa 2000 Spaziergänge, Mahnwachen und Demonstrationen sollen es auch am vergangenen Montag gewesen sein.

In Wandlitz ist die Stimmung eine andere als in der Vorwoche. Viele Menschen sind nachdenklich, haben Tränen in den Augen. Kam es doch in der Vorwoche zu einem tragischen Ereignis, was für bundesweite Schlagzeilen sorgte. Bei einem friedlichen Spaziergang kam durch eine Polizeimaßnahme ein Mensch ums Leben. Die Behörden sprechen von einer natürlichen Todesursache – Kritiker bewerten diesen Vorfall anders. Augenzeugen sprechen von überzogener Polizeigewalt und kritisieren, dass der Rettungswagen zu lange brauchte. Die Polizei dementiert diese Vorwürfe.

Dass der Fall überhaupt für überregionale Schlagzeilen sorgte und nicht nur als Randnotiz in der regionalen Presse landete, ist dem Umstand geschuldet, dass es sich bei dem Toten um einen Prominenten handelt. Boris Pfeiffer war Mitglied der Mittelalter-Rockband In Extremo, die bereits 1,5 Millionen Tonträger verkaufte. Im letzten Jahr trennte sich die Band von Pfeiffer, Grund hierfür waren wohl unterschiedliche Auffassungen zur aktuellen Corona-Politik.

Auch in Wandlitz erlebten wir am Montag eine gespaltene Stadt. Auf der einen Seite Menschen die für ihre Freiheit, Grundrechte und für die Wiederherstellung eines wirklichen Rechtsstaates auf die Straße gehen, die zudem an diesem Tag ein Zeichen des Gedenkens setzen wollen.

Zur Gegenveranstaltung aufgerufen hatte das Bündnis „Wandlitz bleibt bunt“, dass sich ausgerechnet jene Protagonisten, die sonst bei jeder Gelegenheit von Toleranz und Diskriminierung fabulieren, auf die Seite einer Politik stellen, die aktuell Millionen Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben ausgrenzt, kann man schon als Realsatire bezeichnen. Verschiedenen Meldungen zufolge wurden Mitarbeiter der Gemeinde an der Teilnahme zur Gegenveranstaltung verpflichtet. Zudem freute man sich über die Unterstützung der militanten Antifa.

Die Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Gegen staatliche Willkür und Gewalt “ wurde von dem Frontmann der Deutschrockband Wutbürger Andy Habermann angemeldet. Andy Habermann, Mitglied der AfD, fungierte an diesem Abend auch als Redner. Im Anschluss des Artikels finden Sie noch ein kurzes Interview mit Andy Habermann. Neben dem AfD-Bundestagsangeordneten Hannes Gnauck sprachen zudem der brandenburgische Landtagsabgeordnete Felix Teichner (AfD), ein Vertreter der maßnahmenkritischen Partei Die Basis und weitere Bürger, die das offene Mikrofon der Veranstaltung nutzten.

Zum Gedenken an Boris Pfeiffer, wurde ein Meer aus Kerzen niedergelegt. Kerzen als Symbol der Freiheit, aber auch als Symbol gegen Willkürherrschaft und Gewalt.

Ein Zitat sagt:

Die Fähigkeit, das Wort „Nein“ auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit. Viele Menschen sagten auch am vergangenen Montag nicht nur in Wandlitz Nein zu politischer Willkür, Unfreiheit und Gewalt, sondern Ja zur Freiheit.

Interview mit dem Anmelder Andy Habermann

1.Herr Habermann,
der Tod des In Extremo Musikers Boris Pfeiffer am Rande eines Spazierganges in Wandlitz sorgte für überregionale Schlagzeilen. Was waren Ihre Gedanken als sie diese Meldung vernahmen?

Antwort:

Für mich kam gleich der Gedanke: „Es war ja nur wieder eine Frage der Zeit.“ Wer schon länger im Widerstand ist, weiß, dass es sich hier nicht um eine Ausnahme handelt. Es gibt unzählige Opfer dieser Polizeigewalt. Ich persönlich glaube jedes Wort der Wandlitzer Augenzeugen. Ich habe mich mit einigen unterhalten, ihnen in die Augen geblickt. Die Maßnahmen der Polizei waren wieder einmal überzogen. Dieses militärische Auftreten, weil ein paar Leute spazieren gehen, macht die Menschen fassungslos.

2.Wie ist Ihr persönliches Resümee von der Veranstaltung am Montag?

Antwort:

Nach den dramatischen Ereignissen in Wandlitz und auch in Bernau in der Vorwoche, hat die Polizei durchsickern lassen, dass jeder Versuch des unangemeldeten Protestes am 31.01.2022 im Keim erstickt werden würde. Mir war klar, dass nichts passieren wird, wenn niemand eine Demo anmeldet. Ich bin sowieso verbrannt in der Presse und bei den Behörden. Ich habe einfach meinen Kopf hingehalten und das Ding durchgezogen. Die allermeisten Spaziergänger aus Wandlitz haben das mit Freunden angenommen. Ich habe Unterstützung von verschiedensten Organisationen und Parteien bekommen. Dass das keine Großdemo wird, war mir klar. Einige Bürger dieses Örtchens haben sich schon durch die bedrohliche Kulisse der Einsatzkräfte abschrecken lassen. Für viele auf dem Land ist so eine Kundgebung generell etwas völlig Neues. Dennoch haben wir für Wandlitzer Verhältnisse viele Leute auf die Straße bekommen. Worauf es aber wirklich ankam, war das Interesse der Presse. Diese war zahlreich vor Ort und hat somit die Veranstaltung indirekt um ein Vielfaches vergrößert. Wandlitz war in aller Munde. Die Demonstranten konnten einen Trauermarsch durchführen und Blumen und Kerzen niederlegen, ohne im Anschluss ein Ordnungswidrigkeitenverfahren zu bekommen oder eingekesselt zu werden. Mehr wollte ich damit gar nicht erreichen.

3.Mittlerweile erleben wir die wohl größte Spaltung der Gesellschaft seit der Wiedervereinigung. Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, dass diese Spaltung überwunden wird?

Antwort:

Spaltung ist heilbar. Sie ist eine Meinungsverschiedenheit, ein Streit. Wir sind soziale Wesen und werden schon wieder irgendwann aufeinander zugehen, sollten wir bald wieder Normalität erfahren. Aber solange jemand sich dafür einsetzt, dass ich, meine Familie oder meine Freunde eine tiefe Grundrechtseinschränkung erfahren; so lange diese Menschen mich und meine liebsten zu etwas zwingen wollen, was wir mit jeder Faser unseres Körpers ablehnen, laufen sie Gefahr, zu echten Feinden zu werden. Ich kann da nur für mich sprechen, aber dann Gnade euch Gott.

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