Gedanken zum Russland/Ukraine-Konflikt!

„Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eignen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheitsform, deren geographische Verbreitung leider auf Deutschland beschränkt ist.“

Dieses bismarcksche Zitat kam mir dieser Tage angesichts der vielen unterschiedlichen Verlautbarungen zu den aktuellen Ereignissen wieder in den Sinn. Die allerwenigsten davon sind sachlich. Oft überwiegt eine einseitige – und wie ich meine auch völlig unreflektierte – Parteinahme, welche – das wage ich obendrein zu behaupten – vom „Hörensagen“ oder gar auf der Kriegspropaganda der NATO in den öffentlich verordneten Medien aufbaut.

Ich selbst habe weder ausreichend Einblick, noch ausreichend verifizierte Informationen zu den Entwicklungen der letzten Jahre in der Region, und genau deshalb sind von mir auch keine „bedeutenden“ Kommentare zum Zeitgeschehen zu erwarten.

Was ich aber habe, sind Freunde und Bekannte auf beiden Seiten und ich bin in Gedanken bei Ihnen. Besonders bei meinen Freunden in Kiew, die ich bisher kennenlernen durfte und – trotz auch unterschiedlicher Ansichten zu verschiedenen Themen – als Menschen schätzen und lieben gelernt habe. Aber auch bei Freunden und Menschen in Russland, welche keineswegs die aktuellen Ereignisse unterstützen, sowie lieb gewonnenen Menschen im Baltikum oder Polen und vielen Anderen!

Ich bin ein einfacher Arbeiter, kein „Politiker“ im Sinne der offiziellen Lesart und erst Recht kein Geostratege. Aber einige wenige Dinge maße ich mir an, nach nunmehr mehr als 20 Jahren politischem Aktivismus zumindest verstanden zu haben:

  1. Dass wenn wir es ernst meinen mit der Freiheit und Selbstbestimmung der Völker (auch und besonders für unser eigenes), JEDER Imperialismus von uns zu verurteilen ist.
  2. Man nie ein Volk nach seiner Regierung beurteilen sollte, denn dann müssten besonders WIR ganz still sein.
  3. Wir zurückfinden müssen zu einer GESUNDEN Gesprächskultur, in welcher nicht nur schwarz/weiß gedacht wird.
  4. Man NICHT reden sollte, wenn man überhaupt KEINE Ahnung hat und Verallgemeinerungen NICHT die Basis einer sachlichen Debatte sind.

Ich möchte noch so viel mehr schreiben, was mich bewegt, aber es scheint ohnehin in den Wind gesprochen zu sein. Beschäftigt Euch bitte mit der Geschichte des heutigen Europas und seiner Völker, bevor ihr ein Urteil fällt und Dinge sprecht, welche ihr später einmal bitter bereuen könntet. Besucht einmal das Genozidmuseum in Vilnius, der litauischen Hauptstadt. Setzt Euch aber bitte genauso mit dem völkerrechtswidrigen Angriff der NATO gegen Ex-Jugoslawien auseinander!

Und an all meine Bekannten und Feunde im europäischen Osten auch eine Bitte: Wir als Deutsche haben auch unsere Geschichte und bei aller Liebe und allem Respekt, deren Ihr Euch meinerseits sicher sein könnt: Wenn jemand als Deutscher sich ein gutes Verhältnis mit Russland wünscht, ist er noch lange KEIN „Putinversteher“! Und dass die NATO Euch verarscht und die Ukraine nur das tragische Opfer in einem Spiel ganz anderer Mächte ist, habt ihr jetzt vielleicht auch bitter erfahren müssen.

Als jemand, der im so genannten „Westen“ lebt, bin ich jeden Tag mit Liberalismus, Dekadenz, Selbsthass, Erniedrigung und pro-westlicher Propaganda konfrontiert. Der „Westen“ und die NATO – auch wenn Ihr es nicht hören wollt – haben die Ereignisse durch ihre anti-russische Propaganda und ihre aggressive Ausdehnung in Richtung Osten herausgefordert. Noch einmal: Dass die NATO Euch verarscht und die Ukraine nur das tragische Opfer in einem Spiel ganz anderer Mächte ist, habt ihr jetzt vielleicht auch bitter erfahren müssen.

Viele die reden, wissen aber garnichts und es ist zum Teil beschämend – egal aus welcher Ecke!

Freiheit für ALLE Völker und Nationen!
Руслан Андрійко – В моїх з тобою думках.


„The tendency to be enthusiastic about foreign nationalities and national aspirations, even if they can only be realized at the expense of one’s own fatherland, is a political form of illness whose geographical spread is unfortunately limited to Germany.“

This Bismarckian quote came back to me these days in view of the many different statements on current events. Very few of them are factual. Often a one-sided – and I think completely unreflective – partisanship predominates, which – I dare to say – is based on „hearsay“ or even on the war propaganda of NATO in the publicly prescribed media.

I myself have neither sufficient insight nor sufficiently verified information on the developments in the region in recent years, and that is exactly why I cannot be expected to make any „significant“ comments on current affairs.

But what I do have are friends and acquaintances on both sides, and my thoughts are with you. Especially with Руслан Андрійко, Yuri, Olena and all the others in Kiev that I have had the privilege of getting to know and – despite different views on various topics – have come to appreciate and love as people. But also with friends and people in Russia who by no means support the current events, as well as loved ones in the Baltic States or Poland and many others!

I am a simple worker, not a „politician“ in the official sense and certainly not a geostrategist. But there are a few things I presume to have at least understood after more than 20 years of political activism:

  1. That if we are serious about the freedom and self-determination of peoples (also and especially for our own), EVERY imperialism of us is to be condemned.
  2. You should never judge a people by their government, because then WE especially would have to be very quiet.
  3. We have to find our way back to a HEALTHY culture of conversation, in which people don’t just think in black and white.
  4. One should NOT talk when one has absolutely NO idea and generalizations are NOT the basis of a factual debate.

I want to write so much more that moves me, but it seems to have been thrown to the wind anyway. Please deal with the history of today’s Europe and its peoples before you pass judgment and speak about things that you might later regret bitterly. Visit the Genocide Museum in Vilnius, the Lithuanian capital. But please also deal with the attack by NATO against former Yugoslavia, which violates international law!

And a request to all my acquaintances and friends in Eastern Europe: We as Germans also have our history and with all the love and respect that you can be sure of on my part: If someone as a German wants a good relationship with Russia, it is he is still NOT a „Putin understander“! And that NATO is kidding you and that Ukraine is just the tragic victim in a game of completely different powers, you may have learned bitterly now.

As someone living in the so-called „West“, I am confronted with liberalism, decadence, self-loathing, humiliation and pro-Western propaganda every day. The „West“ and NATO – even if you didn’t want to hear it – have provoked the events with their anti-Russian propaganda and its aggressive extension to the east. Once again: you may have learned bitterly that NATO is fooling you and that Ukraine is just the tragic victim in a game played by completely different powers.

Many who talk don’t know anything and it’s partly shameful – no matter from which corner!

Freedom for ALL peoples and nations!

Руслан Андрійко – В моїх з тобою думках.

Maik Müller

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