Eine Analyse der Rede von Wladimir Putin

Moskau, 30. September 2022: Eine Rede für die Zeitenwende

Putin hat heute aus Anlaß der Eingliederung der Gebiete von Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschje in die Russische Föderation eine Rede gehalten, die man nur als historisch bezeichnen kann. Sie muß jedem schlagartig vor Augen führen, warum der Konflikt um die Ukraine nicht nach den üblichen Regeln der Diplomatie beigelegt und beendet werden wird. Der Konflikt hat vielmehr gerade erst begonnen. Die Sprengung der Nord Stream-Pipelines, die auch in Moskau als Terroranschlag auf die Energie-Infrastruktur betrachtet wird, hat gerade die nächste Eskalationsstufe eingeläutet.

Eigentlich ist Putins Rede nicht mehr als ein Rechenschaftsbericht, eine Momentaufnahme der aktuellen Entwicklungen und ein naheliegender Ausblick auf die weitere Zukunft. Man wünschte sich die Klarheit und Rationalität, mit der das alles in gerade einmal 37 Minuten angesprochen wird, auch von anderen Politikern; diese Hoffnung ist leider illusorisch.

Über den Anschluß der vier Beitrittsgebiete und das Recht der dort lebenden russischsprachigen Menschen, endlich in Frieden zu leben, ist kein Wort zu verlieren. Putin stellt den Konflikt um die Ukraine in den größeren Zusammenhang der westlichen Politik, ja der Geschichte des Westens, die seit Jahrhunderten auf Unrecht, weltweiter Ausbeutung und der Mißachtung der Souveränität anderer beruht. Für deutsche Ohren unfaßbar: Putin erinnerte nicht nur an die ersten Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, sondern auch an die völlige Zerstörung deutscher Städte wie Dresden und Hamburg im Zweiten Weltkrieg. Er unterstrich ausdrücklich, daß Deutschland und Japan noch heute besetzt seien und nicht Herr ihrer eigenen Politik.

Und dann einmal mehr das Bekenntnis zu einer neuen, „multipolaren“ und gerechteren Weltordnung, die gerade im Entstehen begriffen ist und die die westlichen Eliten auch nicht mehr werden verhindern können. Rußland und seinem Kampf um seine nationale Selbstbestimmung komme dabei besondere Bedeutung zu, weil sein Ausgang auch für andere Weltregionen, die derzeit noch von den USA als ihr globaler „Hinterhof“ betrachtet werden, wichtig ist. Rußland wolle die westlichen „Werte“ und die mit ihnen verbundene gesellschaftliche Transformation nicht, weil sie auf „offenen Satanismus“ hinausliefen. (!!)

Wer diese 37-Minuten-Rede, die ohne jeden Haß, ohne jede Übertreibung vorgetragen wurde, mit offenen Ohren auf sich wirken läßt, weiß spätestens jetzt, worum der Krieg geführt wird. Rußland ist unter Putin dabei, eine globale Eiterbeule aufzustechen. Deshalb muß Rußland nach dem Willen der westlichen Verbrechercliquen verschwinden – oder es wird zum Eisbrecher einer neuen Ära, in der die USA nicht mehr der selbsternannte Welt-Hegemon sind. Wenn kein Wunder geschieht und der Westen zur Besinnung kommt, wird viel Blut fließen. Es fängt jetzt erst an.

Karl Richter

PS: Der Live-Mitschnitt mit deutscher Simultanübersetzung hier:

Ansehen, so lange das Video noch im Netz ist!

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